Stadien und Arenen

von Gerkan, Marg und Partner. Hrsg. von Volkwin Marg. 327 Seiten mit 201 Farb- und 218 S/W-Abbildungen. Deutsch/Englisch. Gebunden, 39,80 Euro, 66 sFr. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 2006

Von sehr ungewöhnlichem Umfang ist dieses Buch als Bericht über die Arbeit eines Architekturbüros an nur einem einzigen typologischen Sujet: Stadien. Volkwin Marg nutzt als Herausgeber die Chance und stellt die eigene Arbeit in Zusammenhang mit übergreifenden Überlegungen zum Thema. Im einleitenden Teil finden wir den Bericht Goethes von seinem Besuch in der Arena Veronas neben den Überlegungen Étienne-Louis Boullées, das römische Kolosseum durch eigene Interventionen zu optimieren; daneben eine sehr übersichtliche Kulturgeschichte der Sportstätten von Nadine Olonetzky sowie einige Aperçus von Gustave le Bon zur Massenpsychologie.
Über einen Zeitraum von mehr als vierzig Jahren zeigt die Publikation die Planungen von realisierten und nicht realisierten Projekten. In dieser Zusammenschau ist auffällig, wie undogmatisch sich das Büro die entwurflichen Lösungen erarbeitet, wenn auch bei manchen Projekten die Glätte der Routine spürbar wird. Präzise dokumentiert finden wir die Überlegungen zum Umgang mit der historisch belasteten Architektur des Berliner Olympiastadions; das gebaute Resultat spricht für sich. Mit dem Cottbusser Stadion der Freundschaft hat sogar ein Kleinod Eingang gefunden, in das man sich gleich verliebt, vielleicht weil es eine überaus angenehme – weil tradierte? – Vision des Fußballgenusses vermittelt. Nicht nur für Entscheider in Hongkong und Shanghai, sondern auch für den sportinteressierten Architekten bietet der routiniert gestaltete Band – Typografie natürlich die Rotis – zahlreiche nützliche Informationen. Christoph Randl