Sichtbeton, Betrachtungen

Ausgewählte Architektur in Deutschland. Von Rüdiger Kramm, Tilman Schalk. 305 Seiten mit zahlreichen Fotos und Zeichnungen. 21 cm. Kartoniert, 32,80 Euro. Verlag Bau + Technik, Düsseldorf, 2007

~Jan Störmer

Schon die äußere Erscheinung und die Haptik des Buches lassen die große Sachlichkeit und Ästhetik des Betons ahnen. Nimmt man es in die Hand, ist es schwer, also aus gutem Papier. Das Layout in wohltuender Schwarzweißgrafik unterstreicht den konsequenten Bezug zum Material Beton, wodurch das Buch beim ersten, schnellen Durchblättern wie ein Architekturbuch aus den dreißiger Jahren anmutet, es macht neugierig, tiefer einzusteigen.
Die bestimmenden, durchgängigen Weiß- flächen, auf denen die Fotos, Zeichnungen und Text wie wertvolle Kleinode platziert sind, geben ihm einen besonderen Charakter. An diesem Band wird mir bewusst, dass gute Architektur mit vergleichbaren Gestaltungsansätzen durch unterschiedliche Interpretation des unendlich vielseitig anzuwendenden Materials Beton etwas Familiäres bekommt; er mutet an wie ein Familienalbum für die Zeit von 1963–2006.
Das Spektrum der fünfzig Beispiele reicht von der Fatima-Kirche von Gottfried Böhm (1959), den Universitätsbauten in Eichstätt von Karljosef Schattner (1965) über Tadao Andos und Zaha Hadids Bauten für Vitra (1993), Schneider + Schumachers Sowjetisches Speziallager (2001) bis zum Beton aus Muschelkalksplitt des Literaturmuseums der Moderne von David Chipperfield (2006).
Den Autoren ist ein besonderes Kompliment zu machen, da nicht die grafische Ruhe allein, sondern vor allem die konsequent durchgehaltende Qualität der Projektauswahl diesen Band zu einem besonderen Beitrag der Architektur mit ausschließlich nationalen Projekten werden lässt. Dieses Buch hat zum Thema Sichtbeton auch einen internationalen Wert, daher bedauere ich, dass der englische Text fehlt, um es auch im Ausland anbieten zu können.
Zwölf Aufsätze, als »Betrachtungen« von Architekten, die den Beton verstehen und lieben in seiner Grobheit und Feinheit, in seiner einmaligen Monoblockigkeit, sind Liebeserklärungen an den Baustoff aus Zement, Sand, Wasser, Kies und den leider notwendigen Stahl, genannt Beton, ein Material, das nie sterben wird, weil es immer wieder neu zu verwenden ist.