Re-Inventing Construction

Ilka und Andreas Ruby (Hrsg.). Englisch, 440 Seiten, Hardcover, 48 Euro, Ruby Press, Berlin 2010

~Christian Holl

Im April 2010 fand an der Universidad Ibéroamericana in Santa Fé, Mexico City, eine internationale Konferenz unter dem Titel statt, den nun auch das Buch trägt: Re-Inventing Construction. Doch anstatt einfach die Vorträge der drei Tage wiedergegeben, wurde eine Auswahl getroffen und diese um weitere Essays ergänzt. Der Nachhaltigkeitsdiskurs wird auf die Konstruktion bezogen, und dies in erweitertem Sinne. Mit Konstruktion wird nicht nur das Errichten von Gebäuden erfasst, sondern ein komplexeres Verständnis bemüht, das nicht bei der Fertigstellung von Gebäuden endet. Re-Inventing heißt demnach nicht nur, alte Konstruktionstechniken und -prinzipien wieder zu entdecken, sondern auch, Konstruktion als einen Vorgang zu verstehen, der als Organisationsstruktur Bau, Nutzung, Umnutzung und Wiederverwertung von Gebäuden einschließt. Kein Gebäude sei jemals vollendet, heißt es einmal. Es geht um eine Art, Architektur zu entwerfen und zu denken. Und das heißt deswegen auch, vielmehr als bisher den Bestand als die Ressource zu verstehen, aus der Zukünftiges entstehen wird. Deutlich wird dieses komplexe Verständnis durch einen Blick auf die vier Kapitel, in die das Buch gegliedert ist: Reduce CO2, Take on Complexity, Mine the City und Stimulate Stakeholders. Energiehaushalt, Entwurfshaltung, städtisches Umfeld und die Einbeziehung der Bauherrschaft sind also gleichermaßen berücksichtigt, und damit ein weites Feld dessen aufgespannt, womit sich beschäftigen muss, wer Nachhaltigkeit ernst meint und nicht mit Wärmedämmung meint, der Verantwortung ausreichend zu entsprechen.
Zu den Autoren gehören unter anderem Micheal Sorkin, Marc Angélil, Bjarke Ingels und Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal. Widersprüche in den Aussagen verschiedener Beiträge werden nicht glattbegügelt – etwa in der Frage, ob Gebäude vollständig, wie es Werner Sobek propagiert, recyclebar sein sollen oder ob es nicht wichtiger ist, so zu entwerfen, dass Gebäude auf verschiedene Weise genutzt werden können. Auch dass wir immer über die Zukunft kommender Generationen entscheiden, gerade wenn wir für sie das Beste wollen, wird benannt. Ergänzt ist der Band um einen – wie betont wird, vorläufigen und unfertigen – Index zum Thema. Ein wenig erstaunt, wie wenig doch gerade in diesem Index die Väter der komplexen Denkweise vertreten sind, die gefordert wird: von Richard Buckminster Fuller bis Frei Otto und Bernhard Rudofsky. Re-Inventing hieße doch genau das – bereits Geleistetes dadurch fortzuführen, dass es neu entdeckt wird.