Public Parking

Herausgegeben von Carsten Meier. Format 45 x 22,5 cm. 120 Seiten mit 57 farbigen und 42 Textabbildungen. Gebunden, 85 Euro. Kerber Verlag, Bielefeld, 2005

Schon seit einigen Jahren fällt ins Auge, dass es zunehmend die Randzonen des Urbanen sind, die von Fotokünstlern ins Zentrum ihrer Betrachtungen gestellt werden. Auch Carsten Meier inszeniert solche Unorte – öffentliche Parkierungsflächen stehen im Mittelpunkt seines neuen Buchs. Parkplätze, Parkhäuser und Tiefgaragen, sehr nüchtern, dokumentarisch fotografiert, oft im Panoramaformat – was den opulenten Band ein wenig unhandlich macht. Doch sind es wirklich noch »Randzonen«, die der Fotograf hier beleuchtet? Ein Gang durch unsere Städte zeigt, dass sich das Randständige immer mehr ins Zentrum verlagert hat. Gerade weil diese fotografischen Dokumente so fokussiert sind: Bei intensivem Betrachten neigt man dazu, die globalisierte Architektur des »Public Parking« abzulehnen. Kein Auto ist auf den kürzlich stillgelegten oder gerade eröffneten Parkplätzen zu sehen. Ihren Nutzen scheinen diese Orte nicht mehr zu erfüllen. Carsten Meier macht das heute vermeintlich Selbstverständliche – die ästhetische Verminung großer Flächen des städtischen Lebens – zum Ereignis. Der Fotograf präsentiert sich in dem Band als Chronist dieser Entwicklung. In der medialen Übersetzung als Fotografie steigert sich die Unpersönlichkeit des Gezeigten zu umfassender Virtualität. In ihrer schrecklichen Vollkommenheit wirken diese Bilder künstlich. Aber gibt es auch andere Bilder: Manchmal schlägt die Natur der Architektur ein Schnippchen und drängt mit Macht zurück. Der Asphalt reißt auf, Gras wächst darüber, Moose setzten sich auf den Beton. Die ganzseitigen Fotografien sind mit Text-
zeilen, welche die fotografische Idee kommentieren, ergänzt. Marc Peschke