PROJECT JAPAN

Metabolism Talks. Rem Koolhaas, Hans Ulrich Obrist. 720 S., div. Fotos und Zeichnungen, kartoniert, engl., 39,99 Euro. Taschen Verlag, Köln 2011

~Hartmut Möller

1945 waren weite Teile des besiegten Japans zerstört. Aus dem Chaos heraus entwickelte eine kleine Gruppe junger Architekten, Künstler und Designer neue Visionen für ihre Heimat. Losgelöst von Form und Funktion folgten ihre Ansätze als lebendiger Prozess für zukünftige Anforderungen an Kultur und Gesellschaft der flexiblen Organisation des modernen Lebens. Sie erträumten biologische Bauwerke, die auf dem Zyklus von Geburt und Wachstum basierten, und ersannen Turmstädte und schwimmende Siedlungen. 15 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde dann mit dem Manifest »Metabolismus 1960« gleichsam eine neue Architekturform geschaffen. Eine seiner bedeutendsten Ikonen ist der »Capsule Tower« in Tokio, bei dem sich 140 an zwei Erschließungskernen montierte Module bei Bedarf beliebig austauschen oder erweitern lassen. Rem Koolhaas und Hans Ulrich Obrist haben in den vergangenen sechs Jahren die noch lebenden Gründungsmitglieder Kiyonori Kikutake, Noboru Kawazoe, Fumihiko Maki und Kisho Kurokawa interviewt und lassen Weggefährten, Vordenker, Kritiker und Nachfolger (darunter Arata Isozaki sowie Takako und Noritaka Tange) zu Wort kommen. Zusammengetragen wurden außerdem Hunderte teils erstmalig veröffentlichte Masterpläne, private Schnappschüsse, Architekturmodelle und Magazinausschnitte. Das Buch gliedert sich in neun chronologisch geordnete Kapitel, wobei sämtliche Gesprächsseiten durch ein rosafarbenes Band am Blattrand gekennzeichnet sind. Historische Erläuterungen und der globale Einfluss wurden auf hellblaue bzw. weiße Seiten gedruckt, zeitgenössische Fotos der Projekte haben einen grünen, das als Faksimile präsentierte Manifest einen braunen Seitenrandstreifen. Die durch den Blattschnitt getrennten, leicht zu erkennenden Einheiten verschaffen der Publikation eine angenehme Auflockerung und erlauben einen schnellen (Wieder-)einstieg ins Thema. Selbst hartgesottene Anhänger werden den Wälzer wohl kaum am Stück lesen. Für weniger mit dem Thema Vertraute bietet eine angefügte Zeitleiste von 1940-85, die Wirtschaft, Politik, Kultur sowie nationale und internationale Ereignisse in Bezug setzt, einen exzellenten Einstieg.