Paul Zucker

Der vergessene Architekt. Von Wolfgang Schäche und mit Norbert Szymanski. 160 Seiten mit 112 S/W-Abbildungen. Format 16 x 23 cm. Gebunden, 24,80 Euro, 42,20 sFr. Jovis Verlag, Berlin, 2005

Eine spannende Zeit, Berlin am Beginn des 20. Jahrhunderts, die Entwicklung von der vormodernen zur klassisch modernen Architektur. Behrens, Poelzig, Gropius und Mies haben sie voran getrieben – und Paul Zucker (1888–1971), dem die Autoren ein Denkmal setzen. Fachleuten heute nur noch durch seine Bücher als Theoretiker bekannt (z. B. durch Die Brücke sowie Theater und Lichtspielhäuser), war er doch ein Architekt, der unbedingt bauen wollte. Zahlreiche Landhäuser und opulente Villen entstanden in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren nach seinen Plänen. Anfangs historisierend, mit viel Pathos, dann immer moderner, sachlicher, dokumentieren sie anschaulich stationsweise den architektonischen Umbruch in jenen Jahren. Seine Geschäftshäuser und Läden sind deutlich vom Dynamismus eines Mendelsohn beeinflusst. Daneben machte Zucker sich als Architektur- publizist in Fach- und Publikumsmedien sowie als Rundfunkautor einen Namen und zählte zur Kulturprominenz der Berliner Gesellschaft. 1937 musste er nach Amerika emigrieren und geriet hier zu Lande in Vergessenheit. Angesichts der kargen Auftragslage für Architekten wandte er sich dort der Hochschule zu. So baute er sich ein zweites Berufsleben in New York auf, wo er drei Jahrzehnte erfolgreich als Hochschullehrer, Forscher und Publizist wirkte. 1959 erschien seine städtebauliche Abhandlung Town and Square und 1968 sein Hauptwerk zur Ruinentheorie Fascination of Decay. Viele Daten und Fakten aus Deutschland und den USA wurden zusammengetragen und in diesem verdienstvollen Buch erstmals zugänglich gemacht, das Paul Zucker der Vergessenheit entreißt. Falk Jaeger