Patterns in Design Art and Architecture

Petra Schmidt, Annette Tiefenberg, Ralf Wollheim (Hg.), edition form. 336 Seiten, mit 300 farbigen Abbildungen. Format 24 x 30 cm. Gebunden, 59,90 Euro, 99,90 sFr. Birkhäuser Verlag, Basel, 2005

~Falk Jaeger

»Die Tendenz zur extremen Reduktion, der Minimalismus der neunziger Jahre erwies sich als Sackgasse (…). Erst der Einsatz von gemusterten Fassaden erreichte hier, bei aller konzeptuellen Klarheit und Strenge der Baukörper, die erwünschte ästhetische Mehrdeutigkeit«, schreibt Ralf Wollheim in einem der beiden kurzen einleitenden Aufsätze. Es ist also wieder einmal soweit, wir können unsere Triebe nicht mehr kontrollieren, wie es Adolf Loos diagnostiziert hat: Dekor ist ein sicheres Zeichen für die Degeneration der Gesellschaft. Die Verfasser sehen sich mit ihrem Plädoyer für gemusterte Architektur durchaus mit Loos in Einklang, denn der verdammte lediglich das Ornament, also das applizierte Dekor, während das Muster als integraler Bestandteil der Konstruktion (etwa eines Mantelstoffes) als untadelig zu gelten habe.
Bildende, und angewandte Kunst, was vor 150 Jahren gewaltsam getrennt wurde, könnte wieder näher zusammenrücken, hofft Annette Tietenberg. Muster sind grenzüberschreitend. »Darum kennt, wer mit Mustern arbeitet, schon bald kein Halten mehr.« Wie wahr! Eine bunte neue Welt scheint uns bevorzustehen. Und dann wird sie auf dreihundert Bilderseiten vorgeführt, alphabetisch geordnet von Bettina Allaoda bis Peter Zimmermann, an Fassaden und auf Teppichen, als ausgeführte Beispiele oder als Musterblätter, konstruktiv erzeugt oder appliziert als hemmungsloses Dekorum, als Seidengarnstickerei, gedruckt, in Aluminium gegossen. Die Grenze zum Kitsch ist oft überschritten, auch wenn er schwergewichtig aus Cortenstahl daherkommt. Loos hätte das Buch angewidert in den Kamin geworfen. Uns genügt das Heben einer Augenbraue.