Patina

Neue Ästhetik in der zeitgenössischen Architektur. Von Hans Weidinger. 136 Seiten, Format 23,5 x 30 cm, mit 150 überwiegend farbigen Abbildungen und 75 Plänen, gebunden mit Schutzumschlag, 80 Euro, 138 sFr. Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2004

Der reißerische Untertitel verkündet das Neue, das so neu nicht ist. Verwitterte Oberflächen, die Experimentierfreude am Material und seinen Wirkungen, die Beobachtung seiner Alterung sind nur für den, der sich die Moderne und die Architekturgeschichte einfacher macht, als sie ist, eine »neue Ästhetik«. Richtig, die Moderne hatte sich einem ästhetischen Ideal der Zeitlosigkeit verschrieben, sicher sind Hightechfassaden nur mit großem Aufwand die Illusion der Makellosigkeit zu erhalten. Und immer neue Moden erleichtern es dem Architekten, sich nicht mit der Haltbarkeit seiner Entwürfe auseinander zu setzen. Die Ästhetik der Patina formuliert dazu ein Gegenbild und gehöre deswegen, so der Autor, zum Moralkanon der Nachhaltigkeit.
Etwas ungestüm fegen die kurzenTexte durch die Architekturgeschichte und über ästhetische Diskussionen, zu kurz werden die vielen Aspekte des Themas, praktische wie theoretische, angerissen. Doch machen die im Buch vorgestellten Beispiele Lust darauf, Fassadenmaterialien zu erkunden. Holz, Stein, Metall, Reetdach, Gabionenwand, Korbbalkone: Die Bandbreite ist gut ausgeschöpft. Allerdings ist die Patina keinesweges immer ein Produkt jahrelanger sondern ein künstlich beschleunigter Prozess, um den echten Vorgang nicht Zufällen zu überlassen und das gealterte Produkt schon im Neuen präsent zu haben. Zum anderen muss das Buch fast unwillkürlich in die Falle des Marktes tappen, sollen doch aktuelle Beispiele gezeigt werden. Wie sich die Hüllen entwickeln werden und ob das Material der Zeit standhalten wird, bleibt ebenso unbeantwortet wie die Frage, ob die Patina nicht auch nur wieder eine Mode ist. ch