Ost-Berlin und seine Bauten

Fotografien 1945 bis 1990. Eva-Maria Barkhofen (Hg.). Berlinische Galerie. 196 Seiten, Format 23 x 27 cm, 170 S/W-Abbildungen. Broschur, 24,80 Euro Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen, 2006

Bis zum Ende der DDR fotografierte Gisela Dutschmann die städtebauliche Entwicklung Ost-Berlins. 37 Jahre lang dokumentierte sie im Auftrag des Magistrats die großen repräsentativen Bauvorhaben, den Wiederaufbau des Zentrums, aber auch kleinere Projekte am Stadtrand und nie realisierte Planungen.
Doch am Anfang stehen erschreckende Bilder des zerstörten Berlins. Ruinen beherrschen überall das Stadtbild. Fotos vom Potsdamer Platz und Nikolaiviertel belegen wieder einmal, dass Städtebau auch Abrisspolitik bedeutete, sie illustrieren eindringlich die endgültige Zerstörung der Innenstadt.
Erste Wiederaufbauprojekte in der Trümmerstadt waren noch bis 1951 einer moderaten Moderne verschrieben, was kleinere Bauvorhaben wie die biedere »Intelligenz-Siedlung« oder Planungen für das Zentrum belegen. Doch schon bald setzte sich das Leitbild der »Sozialistischen Stadt« durch. Orientiert am Vorbild Moskau entstand die Stalinallee mit imposanten Palästen für die Arbeiterklasse. Den kurz darauf folgenden Wechsel zu einem industrialisierten Bauen illustrieren selten gezeigte Baustellenfotos der späten Fünfziger Jahre. In nur fünf Jahren wandelte sich damals die Architektur der DDR. Siedlungsbauten aus Hohlblockelementen oder in Großblockbauweise sind nur die Zwischenstationen zu den späteren Plattenbauten, die ausführlich vorgestellt werden. Besonders die Panoramafotos der Großbaustellen bestätigen dabei den Eindruck einer permanenten Baustelle. Das Buch stellt eine gelungene Auswahl aus dem Archiv mit 35 000 Fotografien vor. Eine Fundgrube für Historiker und Architekten, aber auch eine visuell eindringliche Stadt- und Baugeschichte Ost-Berlins.
Ralf Wollheim