Neue spanische Museen

Neue Museen in Spanien. Von Klaus Englert mit Fotografien von Roland Halbe, 299 Seiten, Text dt./engl., 69 Euro. Edition Axel Menges, Fellbach 2010

~Nikolaus Bernau

Ein in der Masse vergleichsweise kleiner, in der internationalen Öffentlichkeitswirkung umso größerer Teil des spanischen Baubooms der vergangenen Jahre war die atemberaubende Welle von Museumsneubauten. Ein klar aufgemachter, auf die Architekturformen konzentrierter Band von Klaus Engert und Roland Halbe stellt nun eine Reihe von ihnen vor. Das Buch ist kein umfassender Katalog, sondern es will ein bestimmtes Bild aktueller spanischer Museumsarchitektur vermitteln. Nämlich, dass sie gerne mit großen Flächen, harten Materialien, abstrakten Formen und kraftvollen Dimensionen daher kommt, ohne tiefere historische Verbindung zu suchen. Deswegen fehlen Umbauten weitgehend, während etliche Erweiterungsbauten zu finden sind. V. a. aber fehlt eines der bedeutendsten Projekte der jüngeren Vergangenheit: der Totalumbau des Museu Nacional d`Art de Catalunya nach den Plänen von Gae Aulenti, Enric Steegmann, Josep Benedito und Agustí Obiol (1995-2000). Die postmoderne Vielfalt der Räume, auch die absolute Dominanz der Objekte über die Architektur des einstigen Weltausstellungspalasts passte wohl nicht in das ganz auf die Konstruktion einer neuen spanischen Moderne ausgerichtete Konzept der Autoren. Konsequenterweise fehlt auch eine kurze Einführung in die Geschichte des spanischen Museumsbaus – bedauerlicherweise, denn bis auf diejenige des Prado ist sie außerhalb Spaniens praktisch unbekannt. Bedauerlich ist auch, dass dies Buch den Fehler vieler Architekten-Bücher über Museen macht: Die Fotografien zeigen bis auf wenige Ausnahmen die Außenfassaden, monumentale Eingangshallen, weite Höfe und Auditorien sowie noch leere Ausstellungsräume. Doch ein Museum beginnt erst Museum zu sein, wenn die Objekte in ihm stehen, wenn das Publikum zwischen ihnen herumgeht. Und es ist schon etwas absurd, dass der deutsche Originaltext nur als Heftchen beigelgt wird – von einem Verlag, der in Stuttgart zu Hause ist, kann man bei aller Weltoffenheit etwas mehr Stolz auf die Heimatsprache durchaus erwarten.
Das Buch zeigt, dass die EU-Gelder, die nach Spanien flossen, keineswegs sinnlos ausgegeben wurden, sondern auch dazu dienten, die kulturelle Infrastruktur zu verbessern. Der Mut der spanischen Gemeinden, sich moderne Architektur zu leisten, sucht dabei in Europa Ihres gleichen. Man wünschte sich beim Anblick vieler Projekte, dass spanische Architekten viel mehr auch außerhalb des Landes zu Museumswettbewerben eingeladen würden. Doch die Museumsbauwelle hat auch ihre Schattenseiten: Viele, v. a. kleinere Gemeinden, die glaubten, sich mit einem großen Bilbao-Effekt aus dem Schatten der Metropolen bewegen zu können, sind finanziell mit den nun folgenden Betriebskosten überfordert. Etliche der Museen, die hier zu sehen sind, dürften bald nicht mehr die blitzende Eröffnungsschönheit zeigen oder sogar geschlossen werden.