Neue Architektur – Sakralbauten

Von Till Wöhler. Deutsch/Englisch, 192 Seiten. Format 17,5 x 21 cm, ca. 150 Abbildungen, Broschur, 19,90 Euro, 30,80 sFr., Verlagshaus Braun, Berlin, 2005

Die christlichen Kirchen haben sich längst davon verabschiedet, ihren Sakralbauten einen einheitlichen Typus zu Grunde zu legen. Für Synagogen gab es ohnehin nie einen, mussten sich diese doch stets an die räumlichen und kulturellen Gegebenheiten ihrer jeweilige Umgebung anpassen. Entsprechend reich ist das Vokabular, das der heutigen Architektur für diese Bauaufgaben zur Verfügung steht. Die 86 gezeigten Beispiele aus den Jahren 1995 bis 2005 legen davon beredtes Zeugnis ab. Ihnen gemeinsam ist der Wunsch, den Menschen eine »innere Heimat« zu geben, wie es Ernst Jacoby in seinem Vorwort nennt. Wie dies auf sehr unterschiedliche Weise angegangen wird, zeigt das Buch leider nur in Ansätzen. Das handliche Format und die Begrenzung der Präsentationen auf maximal vier Seiten je Bauwerk schränken die Vergleichbarkeit ein. Die Fotografien bräuchten mehr Raum – ebenso wie die Grundrisse, die bei vielen Projekten die räumlichen Zusammenhänge erst verständlich machen. Die kurzen Erläuterungstexte reißen die Besonderheiten von Bauaufgabe, Raumwirkung und Gestaltung nur an, der Autor enthält sich der Wertung. Dem oft experimentell wirkenden Erfindungsreichtum, der den Kirchen- und Synagogenbau kennzeichnet, stehen die wenigen Moscheen und Tempel im deutschen Sprachraum gegenüber, deren Gestaltung über den tradierten Formenkanon nicht hinauskommt. Offenbar ist die Funktion dieser Bauten als Abbild eines Heimatgefühls wichtiger als der Wunsch nach einem zeitgemäßen architektonischen Ausdruck religiösen Empfindens. Der Band schließt mit einem sinnfällig sortierten Register und fünf Artikeln, die die Grundsätze der wichtigsten Weltreligionen vor Augen führen. ge