Neon Tigers

Fotografien asiatischer Megastädte. Von Peter Bialobrzeski, mit Texten von Florian Hanig und Christoph Ribbat, 112 Seiten, 80 farbige Abbildungen, Format 30,2 x 24,5 cm, Text englisch und deutsch, 39,80 Euro, 66 SFr. Hatje Cantz Verlag, Stuttgart, 2004

Weltweit richtet sich die Aufmerksamkeit mehr und mehr auf Asien, wo Märkte noch wachsen und also die profitorientierte Karawane rasch zur Stelle ist. Die Städte, die in bislang unbekanntem Maße und rasend schnell wachsen, heißen »Tigerstädte«. Tatsächlich kann man das Leben in ihnen nicht aus Wohlstandsperspektive anprangern, denn es entspricht dem Dasein der meisten Menschen im 21. Jahrhundert. Mehr noch: In den Tigerstädten wird urbane Dichte als Lebensqualität empfunden. – die, so ist im informativen Einleitungstext Florian Hanigs zu lesen – ihren Preis hat: In Hongkong kostet eine 300-Quadratmeter-Wohnung mit Hafenblick 22000 Euro im Monat. Das Herzstück des Buchs bilden jedoch die Fotografien von Peter Bialobrzeski, die begreifen lassen, was urbane Dichte konkret heißen kann: Analog aufgenommen und gestochen scharf wiedergegeben fällt der Leserblick auf Häusermeere, die in gleißendem Licht eine brutale Wohnwirklichkeit vor Augen führen. Das Berauschende an den Fotografien ist jedoch, dass sie dabei nicht im geringsten real wirken. Der Fotograf führt in eine fiktive Welt und vermeidet dabei jegliche Bildklischees – dramatische Skyline- Inszenierungen, kalte Monumentalität oder idyllische Stadträume sind nicht zu entdecken. Menschen flirren zwar schon durch die Bildräume, aber Anekdotisches, Straßenszenenhaftes ist kaum zu finden. Solche Fotografien entstehen nicht hoppla-hopp; mehr als sechs bis acht Fotografien, die den gebürtigen Wolfsburger zufrieden stellen können, entstehen an einem Tag nicht. Er ist weit gereist – war in Kalkutta, Rio, Kuala Lumpur – und mag vielleicht deswegen eine fotografische Sensibilität entwickelt haben, die ihresgleichen so schnell nicht findet. ub