Museumsinsel

Von Thomas Florschuetz und Durs Grünbein. 120 Seiten mit Farbfotos. Gebunden, 38 Euro, 65,30 sFr. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln, 2006

~Petra Bohnenberger

Düster, trist und dem Untergang geweiht, so stellen die Fotos von Thomas Florschuetz den Palast der Republik dar. Den Bildern steht keine weitere Erklärung zur Seite, der Betrachter kann sich seine eigenen Gedanken dazu machen, was der Fotograf ausdrücken oder dokumentieren möchte: seine Trauer über den Abriss eines Gebäudes, seine Freude darüber, dass eine Ruine, ein ausgebeinter Koloss verschwindet oder vielleicht auch gerade die Ambivalenz zwischen beidem. Möglicherweise sollen die Bilder auch nur den Abriss und damit das Ende des Palastes der Republik dokumentieren: die ornamental anmutenden Markierungen an den Stahlträgern, die durch Beleuchtung effektvoll in Szene gesetzt sind, oder das verwirrend geordnete Durcheinander der Stahlkonstruktionen und der Tribüne im großen Saal. Dazwischen immer wieder der Blick durch trübe, schmutzige Fenster nach draußen auf die umgebende Museumsinsel, die kaum wahrnehmbar ist. Lediglich kleinste Ausschnitte werden dort deutlich sichtbar, wo ein Fenster geöffnet und der Blick frei ist.
Diesen gewaltigen und doch so ruhigen Bildern wurden die Berlin-Gedichte von Durs Grünbein zur Seite gestellt. Auch hier bleibt es der Fantasie des Lesers überlassen, ob er die Gedichte als Hommage an die große Stadt Berlin verstehen will oder ob er sich den teilweise düster anmutenden wortgezeichneten Bildern hingeben möchte. Die Kommunika- tion, die zwischen den Fotos und den Texten entsteht, mal skurril, mal nachdenklich, ist außergewöhnlich.
Das Künstlerbuch gibt unterschiedliche Möglichkeiten der Betrachtung: einfach durchblättern und vielleicht hängen bleiben oder die Bilder und Gedichte studieren, aufnehmen und weiterverarbeiten, entscheiden ob sie dem eigenen Bild von Berlin und dem Palast der Republik und seinem Abriss entsprechen.