Mitten am Rand

Auf dem Weg von der Vorstadt über die Zwischenstadt zur regionalen Stadtlandschaft. Von Lars Bölling und Thomas Sieverts (Hg.), 240 Seiten mit S/W-Fotos und Plänen, Broschur, Format 16,5 x 24 cm, Text teilweise englisch. 24 Euro. Verlag Müller+Busmann, Wuppertal, 2004

Den Peripherien der Städte steht nach drei bis fünf Jahrzehnten Wildwuchs die »Qualifizierung« ins Haus. Durch Vererbung der Eigenheime oder die Konkurrenz gelifteter Kernstädte befördert, beginnen vielerorts Transformationsprozesse. Ihrer Analyse und Lenkung widmet sich das Ladenburger Kolleg unter dem Städtebauer Thomas Sieverts, der 1996 die »Zwischenstadt« salonfähig machte. Das hoch interessante Buch vereint die Beiträge einer internationalenTagung im Mai 2004 sowie erste Forschungsergebnisse des Teams um Sieverts.
Den fruchtlosen Grundsatzstreit zwischen »Europäern« und »Amerikanern« im Städtebau überwindend, weisen die Autoren Perspektiven einer ganzheitlichen Sicht der Stadtlandschaft, in der sich Bewährtes und Innovatives ergänzen. Der aus Chaos-Zeiten bekannte US-Autor Robert Fishman erklärt die Entwicklung der sprawlscape im »modernsten« Land als Zusammenspiel von Spekulation und Politik – und plädiert für smart growth, was indes an die gute alte Regionalstadt erinnert. Aus den Niederlanden werden radikale, sehr künstliche Gestaltungskonzepte vorgestellt: Francine Houben erlebt ihr Land dynamisch durch die Windschutzscheibe oder vom geplanten Transrapid aus, auch Kees Christiaanse findet Lärmschutzwälle öde und plädiert stattdessen für urbane Landstraßen, an denen sich viele Nutzungen überlagern können – nicht neu, aber bedenkenswert. Stärker analytisch die Studien von M. Campi über die »Glattalstadt« um den Zürcher Flughafen, zu den »Regionalen« in NRW von K. Wachten und zum polyzentrischen Rhein-Main-Raum des Ladenburger Teams. Ein anregendes, auch provozierendes Buch zur Zukunft städtischen Lebens. Christoph Gunßer