Made in Norway

Norwegian Architecture Today. Von Ingerid Helsing Almaas. 144 Seiten, broschiert, in englischer Sprache, 38 Euro. Birkhäuser, Basel 2010

~Clemens Bomsdorf

Im Ausland ist norwegische Architektur als solche kaum ein Begriff. Allenfalls einzelne Architekten oder Bauten im und aus dem Norden Europas sind bekannt. Sverre Fehns Nordischer Pavillon von 1962 auf dem Giardini Gelände der Venedig Biennale dürfte über Jahrzehnte das international bekannteste architektonische Werk aus Norwegen gewesen sein. Dann kam das Büro Snøhetta. Zuerst mit der am 16. Oktober 2002 eröffneten Bibliothek in Alexandria. Fünfeinhalb Jahre später wurde Snøhettas Oper im Hafen von Oslo eingeweiht und setzte Norwegen damit erstmals mit einem Bau im eigenen Lande auf die Reisekarte unzähliger Architekturinteressierter.
Doch die Oper sollte lediglich ein Anlass sein, das nordische Land in Sachen Architektur zu bereisen, nicht aber der einzige Grund des Besuchs. Denn in den vergangenen Jahren sind einige weitere sehenswerte Bauten in Norwegen entstanden, die vielleicht nicht ganz so spektakulär sind, aber nicht minder interessant. Einige davon sind in dem im Frühjahr erschienenen Band »Made in Norway« vorgestellt.
Rund 25 über das riesige Land verteilte Bauten werden behandelt – darunter neben der Oper Fehns Umbau des Gyldendal Verlags, eine Hütte von Fantastic Norway und ein Mehrfamilienhaus von Alliance; dazu eine handvoll Gebäude, die im Ausland stehen, aber von norwegischen Büros entworfen wurden. Meist sind Kurztexte abgedruckt, die von einer technischen Zeichnung, etlichen Bildern sowie Informationen zu technischen und ökologischen Details begleitet werden. Dazu Interviews und Essays.
Wer die große architektonische Stilkritik erwartet, wird enttäuscht. Der Band wurde bei der Eröffnung der Expo in Shanghai präsentiert und der norwegische Außenminister, dessen Ministerium die Publikation unterstützte, schrieb das Vorwort. Die Texte stammen meist von den Architekten selber. Keine Frage, es geht darum, Norwegen und dessen Architektur gut aussehen zu lassen.
Viel mehr als zum Coffee-Table-Book eignet sich der Band dennoch als Architekturreiseführer für eine Tour durchs Land. Die problematischen Details der Bauten – wie z. B. die partielle Verschandelung der Oper durch Eisbuden und Absperrketten – können dann vor Ort selber entdeckt werden. Als Ergänzung seien zudem die Architekturjahrbücher des Nationalmuseums für Architektur empfohlen.