Liquid Stone

New Architecture in Concrete Jean-Louis Cohen und Martin Moeller (Hg.). 256 Seiten mit 365 Farb- und 65 SW-Abbildungen. Englisch. Gebunden, 53,39 Euro, 78 sFr. Birkhäuser Verlag, Basel, 2006

~Peter Struck

War Beton lange Zeit ein Synonym für einen banalen, bisweilen brutalen Baustoff, gerade gut genug für die Konstruktion, die sich hinter »edleren« Materialien verstecken musste, so erfreut sich das Gemisch aus Zement, Wasser, Zuschlägen und Zusatzmitteln seit Kurzem wieder besonderer Wertschätzung. Architekten, Ingenieure und Wissenschaftler demonstrieren anhand von über dreißig Gebäuden eindringlich die neuesten technischen und ästhetischen Möglichkeiten von Beton. Eine neue Lust am Experimentieren vereint hier so unterschiedliche Konzepte wie Zaha Hadids Wolfsburger Phaeno, Tadao Andos Awaji Yumebutai Center oder Calatravas Konzerthalle auf Teneriffa.
Das Buch belegt eindrucksvoll, dass das einst so unprätentiöse Baumaterial seit einiger Zeit zu sich selbst gefunden hat, nach seinem »Missbrauch« in der Nachkriegsmoderne geläutert und mit neuem Selbstbewusstsein auftritt. Man schätzt den Beton wieder wegen seiner Vielseitigkeit und Stabilität, vor allem aber wegen der beinahe unbegrenzten Möglichkeiten des künstlerischen Ausdrucks: Im Gegensatz zu anderen Baustoffen verfügt das monolithische Material über keine eingeschriebene Form, keine Struktur und keinen Maßstab. Aber neue Verfahren und Komponenten verwandeln die einstigen Schwächen des Baustoffs jetzt in seine Stärken: Beton ist nicht länger stumpf und monumental, wird zunehmend geschmeidig, farbig, sogar lichtdurchlässig: Die Zukunft gehört dem transluzenten und elastischen Beton, hauchdünnen freitragenden Konstruktionen mit beseelten Oberflächen. Die Fortschritte der Technologie ermöglichen heute eine völlig neue Architektursprache, der allein die Fantasie des Architekten Grenzen setzt.