LC Foto

Le Corbusier – Secret Photographer. Von Tim Benton, 416 S., ca. 1 000 Abb., Hardcover, engl., 48 Euro, Lars Müller Publishers, Zürich 2013

~Hartmut Möller

Über Le Corbusier, der mit bürgerlichem Namen Charles-Édouard Jeanneret-Gris hieß, existieren zwar etliche Publikationen, über sein fotografisches Schaffen ist aber dennoch wenig bekannt. Er selber behauptete sogar, dieser Disziplin keinen größeren Wert beizumessen, obgleich die Fotografie selbstredend der Verbreitung seiner Arbeit diente. Tim Benton, der bereits mehrere Werke über den Architekten verfasst hat, schließt mit der vorliegenden Publikation nun diese Wissenslücke; immerhin besaß Le Corbusier selbst verschiedene professionelle Foto- und Filmkameras. In zwei Kapiteln mit 13 Alben untersucht der Autor Le Corbusiers rege fotografische Zeit zwischen 1907-17 und 1936-38. Der erste Teil konzentriert sich auf die Anwendung unterschiedlicher Fotokameras zu Dokumentationszwecken seiner Reisen durch Mitteleuropa, den Balkan, die Türkei, Griechenland und Italien. Der zweite Abschnitt wirkt durch die Ablichtung von Begleitpersonen persönlicher und beleuchtet zudem seine filmischen Ambitionen. Jedes einzelne Album wird ausführlich und fundiert erläutert und abschließend um großformatige Abdrucke ergänzt. Diese sind aufgrund ihres Entstehungsdatums nicht immer gestochen scharf und auf schwarzem Hintergrund entfalten sie leider nicht die gleiche Wirkung wie die im Textteil eingestreuten Miniaturabzüge.
Ob die überwiegend unveröffentlichten Aufnahmen den versprochenen Einblick in die Psyche des weltbekannten Planers zulassen, sei dahingestellt. Auch entsprechen sie vermutlich nicht in allen Bereichen der zeitgenössischen Vorstellung von Fotokunst. In jedem Fall aber zeigen sie in ihren Ausschnitten und Motiven dessen Gefühl für Proportionen und Arrangements. So zeugen Nahaufnahmen des Passagierdampfers »Conte Biancamano« von des Meisters Begeisterung für technische Details. Zudem stellen die Aufnahmen von Steinformationen, Sandspuren, Küsten- und Gewässerverläufen seine Begeisterung für die Natur dar. Daher sei auch Lesern, die lange englische Abhandlungen scheuen, dieses üppig bebilderte Buch ans Herz gelegt. Als besonderes Schmankerl lassen sich obendrein über hinterlegte QR-Codes sieben Film- und Fotomontagen einsehen.