Landschaft konstruieren

Materialien, Techniken, Bauelemente. Hrsg. von Astrid Zimmermann. 533 Seiten mit 900 farbigen und 200 S/W-Abbildungen sowie 650 Zeichnungen, 23 x 29,7 cm. Kartoniert, 49,90 Euro, 79 sFr. Birkhäuser Verlag, Basel, 2009

~Christoph Gunßer

Mehr noch als die Architektur hat die Landschaftsarchitektur in den letzten zwei Jahrzehnten an Bedeutung gewonnen. Früher zuweilen auf höhere Gärtnerei oder praktische Ökologie reduziert oder ganz in den Dienst der Architektur gestellt, versteht sich Landschaftsarchitektur längst als eigenständige Kunstform, oft mit einem entschiedenen Hang zum Künstlichen. Wo Natur nur noch Rest-Natur ist oder Überbleibsel vergangener Nutzungen, geht es nicht um die Schaffung pseudo-authentischer grüner Idyllen.
Dennoch ist es angesichts dieser hochfliegenden Entwicklung sicher hilfreich, an die Grundlagen der Kunst zu erinnern, die doch im Handwerklich-Technischen wie im Gärtnerischen liegen. Erst wer versteht, wie sich Landschaft brauchbar »konstruieren« lässt, kann damit formale Aussagen treffen, Assoziationen, Erinnerungen wecken …
Ein Schwarzbrot-Buch also für alle, die Landschaft solide gestalten wollen: Hier wird anschaulich erklärt und dargestellt, welche Materialien vorgefunden und verwendet werden, Treppen, Wege, Wiesen und Tragwerke aufgebaut und eingefügt, Mauern und Teiche beschaffen sein müssen, damit sie Bestand haben oder sich so verändern, wie sie sollen – der spannendste Aspekt der Landschaftsarchitektur, denn die Natur baut mit. Dieses Denken in Prozessen haben die Vertreter der Gartenkunst insbesondere den Architekten voraus, die ihr Werk gern makellos fixiert sähen. Und so zeichnet die Landschaftsarchitekten heute auch jener Blick fürs Ganze aus, der zwischen den vielen Partikularinteressen oft abhanden kommt. Doch das steht hier nicht im Vordergrund; Bausteine des Wissens sind es, die bis zum richtigen Dübel, zum tragfähigen Träger, zur strapazierfähigen Wiesensaat zusammengestellt sind. Nach dem Band »Architektur konstruieren« (Birkhäuser) ein weiteres Standardwerk für mehr Bodenhaftung im ach so bildbetonten Architekturbetrieb. Selbstverständlich zeigt das Buch aber auch viele gelungene Anwendungen.