Landform Building

Von Stan Allen und Marc McQuade (Hrsg). 480 S., 430 Abb., Englisch, hardcover, 45 Euro. Lars Müller Publishers, Zürich 2011

~Christian Holl

Natur ist in der Architektur immer eine wichtige Referenz für Entwurfsentscheidungen gewesen: als nicht hinterfragbare Instanz gibt sie dem Bauen eine objektivierende Grundlage. In »Landform Building« wird der Bezug zur Natur über den Begriff der Landschaft gesucht. Architektur wird darin thematisiert als eine bewusste und gezielte Methode, Landschaft zu gestalten und zu schaffen: Landschaft als per se konstruierte und menschengemachte Umgebung, deren selbstverständlicher Teil wiederum die Architektur ist. Das Vorbild der Natur wird hier eher kulturwissenschaftlich verstanden, als Referenzrahmen der Positionierung in der Welt, als Aneignung der Welt durch Architektur. Das schließt auch die Versöhnungsstrategie ein, die Natur zu ästhetisieren. Unser gestörtes Verhältnis zu ihr und unser Bewusstsein darüber bieten Grund genug für solche Zeichen der Versöhnung. Es ist die besondere Qualität dieses Buchs, das es diesem gestörten Verhältnis nachspürt, Kunst und Fotografie ebenso wie Baugeschichte in Texte und Darstellungen miteinbezieht, darstellt, wie Menschen einen Umgang mit diesem Konflikt gesucht, ihn aber auch verschärft haben. So können auf nachvollziehbare Weise aktuelle Gebäude (von SANAA, BIG, Perrrault u. a.) eingeordnet werden, ohne dass sie als naive Patentrezepte erscheinen müssten. Ihre Architektur verleiht vielmehr dem Wunsch Ausdruck, ein anderes Verhältnis zur Landschaft und zur Natur finden zu können. In diesem Kontext wird wiederum der Blick auf die Architekturgeschichte – v. a. der des 20. Jahrhunderts, der sich genau dieses Spannungsverhältnis eingeprägt hat – aufschlussreich. Etwas überraschend ist, dass in historischer Perspektive beispielsweise Staudämme oder Vergnügungsparks auftauchen, nicht aber nach der thematischen Relevanz von Infrastruktur und ubiquitärer Architektur für den Umgang mit Landschaft in der Gegenwart gefragt wird. Anregend und hinterfragend sind die Beiträge aber allemal: In ihnen kommen u. a. Kenneth Frampton und Reyner Banham zu Wort. Beachtenswert ist auch die These von David Gissen, mit der Rekonstituierung von Topografie und Natur sei auch verbunden, eine spezifische Art der Rekonstruktion zu pflegen. Kurzum: ein rundum empfehlenswertes Buch.