Kybernetische Architektur

Von Günter Pfeifer. 208 S. mit zahlreichen Abb., Taschenbuch, 28,50 Euro, syntagma-verlag, Freiburg 2016

~Carsten Sauerbrei

Kybernetische Architektur, dieser Titel der Anfang Oktober 2016 erschienenen Monografie, weckt sicherlich sehr unterschiedliche Assoziationen. Man könnte an vom Space-Age inspirierte High-Tech-Gebäude oder auch an digital gesteuerte, zeitgenössische »Smarthomes« denken. Der Freiburger Architekt Günter Pfeifer, emeritierter Professor der TU Darmstadt und Mitherausgeber einer ganzen Reihe von Bänden zu Wohntypologien (s. db 4/2008, S. 66 und 12/2015, S. 62), bezeichnet mit diesem Begriff jedoch sein eigenes, alternatives Konzept von »klimagerechten« Low-Tech-Gebäuden. Kybernetische Gebäude, so Pfeifer, bilden ein vernetztes und sich selbst regelndes System, das – allein mit Mitteln der Architektur – Sonneneinstrahlung in Wärme umwandelt, diese verteilt und speichert, für Abkühlung sorgt und vor Energieverlust schützt.
Sein Konzept verdeutlicht Günter Pfeifer im Buch überzeugend anhand von elf eigenen Bauten aus den Jahren 1998-2016, die mit Fotos, Grundrissen und Beschreibungen von Bau- und Energiekonzept übersichtlich vorgestellt werden. Dabei handelt es sich um Gebäude verschiedener Größenordnungen und Nutzungen, vom frei stehenden Einfamilienhaus bis zum innerstädtischen, mehrgeschossigen Wohnungsbau, vom Kindergarten bis zum Gewerbebetrieb, alle entweder als Neubau oder durch Umbau bzw. denkmalgerechte Sanierung entstanden. Sie beweisen – wie etwa das auf dem Einband abgebildete Institut für Umweltmedizin und Krankenhaushygiene in Freiburg – dass mit einer konsequenten Nutzungszonierung entsprechend dem Solareintrag, der Nutzung der Gebäudehüllflächen als solare Wärmesammler und der Tragkonstruktion als Speichermasse, energieeffiziente Architektur auch ohne ein Übermaß an zusätzlicher Gebäudetechnik funktionieren kann. Damit vermittelt dieses Buch wertvolle Erkenntnisse und Denkanstöße für eine Architektur jenseits von dämm- und technologiefixierter Standards, auch wenn Fragen wie die nach der Nutzungskonkurrenz zwischen Photovoltaik und Solarthermie offen bleiben.