Kleine Häuser

Zeitgenössische japanische Wohnbauten. Von Claudia Hildner. 160 S., zahlr. Farbfotos und Pläne, kartoniert, 39,90 Euro. Birkhäuser Verlag, Basel 2011

~Hartmut Möller

Das Minihaus hat im Land der aufgehenden Sonne Hochkonjunktur. Die extreme Bevölkerungsdichte und der gesellschaftliche Anspruch auf Grund- und Immobilienbesitz machen Bauplätze rar und somit äußerst teuer. Parzellierungen in kleinste Einheiten infolgedessen spornen die örtlichen Architekten dabei oft zu außergewöhnlichen Lösungen an, welche die hiesige Zunft zwischen Bewunderung und Neid registriert. 26 dieser Kleinstbauten aus den Jahren 2007 bis 2010 präsentiert die vorliegende Publikation. Vertreten sind etablierte Baumeister wie Atelier Bow-Wow und Sou Fujimoto Architects, vornehmlich jedoch hierzulande weniger bekannte Büros, die gleichwohl zur jungen Avantgarde der japanischen Architekturszene zählen.
Ein eingehendes Essay von Ulf Meyer behandelt zunächst die jüngere Geschichte des japanischen Wohnhauses. Anhand sechs herausragender Fallstudien (darunter Beispiele der Großmeister Kenzo Tange, Toyo Ito, Tadao Ando oder Kengo Kuma) beschreibt er dessen Entwicklung von der Moderne bis in die Gegenwart. Die dann im Hauptteil vorgestellten Kleinode lassen das Architektenherz höher schlagen. Bei zumeist äußerlicher Abschottung ergeben sich durch Splitlevel, Innenhöfe und Oberlichter stets überwältigende Innenräume, die im Buch ausgiebig bebildert sind. Alle Bauwerke werden zudem durch eine ausführliche Beschreibung erläutert. Jeweils maßstäbliche Pläne erlauben den Vergleich der Häuser untereinander und erleichtern das Begreifen ihrer Raumorganisation – schließlich sind sie trotz ihrer bescheidenen Größe reichlich komplex. Sieben zwischen den Projekten frei eingestreute, ganzseitige Texte informieren über kulturelle und gestalterische Hintergründe Japans. Sie schaffen Vertrautheit für eine uns in weiten Teilen fremde Welt und zeugen von intimer Kenntnis, die sich Claudia Hildner durch längere Aufenthalte vor Ort erworben hat. Die Autorin ist auf dem Gebiet keine Unbekannte und einige der gezeigten Arbeiten dürften dem Leser einschlägiger Fachliteratur bekannt vorkommen. Macht aber nichts, denn an den kleinen Raumwundern kann man sich einfach nicht sattsehen.