John Ruskin. Werk und Wirkung

Hrsg. von Werner Oechslin. Studien und Texte zur Geschichte der Architekturtheorie.

214 Seiten, 57 Abbildungen, kartoniert, 32 Euro. gta Verlag, Zürich; Gebr. Mann Verlag, Berlin, 2002
John Ruskin (1819 – 1900) beeinflusste als Kunsttheoretiker die Entwicklung der modernen Architektur: zum einen durch die Regeln, die er aufstellte, zum anderen durch seine dezidierte Vorliebe für bestimmte Stile, insbesondere der Gotik. »The Stones of Venice« waren, so Wolfgang Kemp, »eine Art Gründungsmanifest für eine Literaturgattung, die man ›Stadtgeologien‹ nennen könnte, und läuteten zugleich das Ende jener Selbstverständlichkeit ein, derzufolge Architektur sich materiell wie konzeptionell aus lokalen Baustoffen erklärt und sich ihre Formgebung der menschlichen Hand verdankt.« Als dieses Buch 1851 erschien, war sein eigentliches Hauptwerk schon zwei Jahre alt: »Seven Lamps of Architecture«. Die Prinzipien, die er hier entwickelte, lauten: Opfer (im Gegensatz zum bloßen Bauen umfasse Architektur das Ehrwürdige und Schöne, welche indes »unnütz« sei), Wahrheit (Ablehnung imitierter Baustoffe, verborgener Stützen …), Macht (einfache Gestaltung großer Wandflächen), Schönheit (die wiederum die Nachahmung der Natur voraussetze), Leben (d.h. sich dessen Vielgestalt und Unregelmäßigkeit zu eigen zu machen und auf Verfeinerung zu verzichten), Erinnerung (für die Ewigkeit bauen) und Ehrerbietung (ein Stil muss universell akzeptiert sein). Zehn Autoren, die ein internationales Kolloquium an der Stiftung Bibliothek Werner Oechslin in Einsiedeln zusammengeführt hatte, legen in Beiträgen, teils in englischer, teils in deutscher Sprache, eine so profunde wie vielschichtige Annäherung an einen der ›Urväter der Moderne‹ vor.
Robert Kaltenbrunner