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Israel Lessons

Industrial Arcadia. Hrsg. von Harry Gugger, Barbara Costa u. a. 196 S., 155 farb. und 183 s/w-Abb., Grafiken und Pläne, broschiert, engl., 48 Euro, Park Books 2017

Letztlich ist dies die Dokumentation einer studentischen Exkursion mit anschließender Entwurfsaufgabe. Was sie jedoch zu viel mehr macht, ist erstens das Exkursionsziel – Israel – und zweitens die Tiefe, in der Ausgangssituation und Entwürfe behandelt werden. Die Arbeit konzentriert sich auf die Landwirtschaft zwischen Wüste und Stadt und landet dabei natürlich mitten im politischen Diskurs. Israel ist ein kleines Land und Grund und Boden aufgrund der klimatischen und politischen Bedingungen existenziell. Die Bewirtschaftung großer Bodenflächen durch nur wenige Menschen etwa wird als wirksame Methode identifiziert, sich das Land anzueignen. Parallel entwickelte Israel große Expertise in der Landwirtschaft unter Wüstenbedingungen. Dass es bei Landgewinnung und Wasserversorgung immer auch Auseinandersetzungen mit den Nachbarn gab und gibt, verschweigt das Buch ebenso wenig wie konkrete Gefahren für die Landwirtschaft durch fortschreitende Verwüstung, Versalzung, Urbanisierung und Zersiedelung – immerhin wohnen mittlerweile 8,4 Mio. Menschen auf einer Fläche, die kleiner ist als Sizilien.

Sowohl die Analyse der Ausgangssituation als auch die 18 Entwürfe – entstanden im Rahmen des zweisemestrigen »laba studio« 2016/17 der EPF Lausanne – beziehen diesen Alltag stets mit ein: sei es in einer touristisch-landwirtschaftlichen Intervention am Toten Meer, wo sich das Gestein wegen des Wassermangels drastisch verändert, oder ein Recyclingkonzept für Kompost bis Plastik in Jericho. Ein »Food Park« ist eine der urbanen Ideen für das schnell wachsende Tel Aviv; ein »Thai Shed« bringt den vielen thailändischen Arbeitern in der israelischen Landwirtschaft Respekt für ihre Kultur entgegen; und ein »Bedouin Heritage Center« versucht, der halbnomadischen Volksgruppe ihre überlieferte Landwirtschaft wieder zu ermöglichen. Ob dabei, wie im Vorwort postuliert, die kolonialistische Haltung Europas damals und heute ausreichend reflektiert wird, sei dahingestellt – in jedem Fall lohnt sich der Blick aus einer hierzulande weniger üblichen Perspektive.

Das anspruchsvolle Buch wird eingeleitet mit historischen Hintergründen und einem Exkurs zu »Garten, Garten Eden, Paradies«. Umfangreiches Kartenmaterial und statistische Daten bringen die neuere Entwicklung übersichtlich auf den Punkt. Was den Zugang für hiesige Leser allerdings noch erleichtern würde, wären Texte auf Deutsch.

~Dagmar Ruhnau