Imaginary Apparatus

New York City and Its Mediated Representation. Von McLain Clutter. Engl. Text. 200 S. mit 65 Farb- und 70 S/W-Abb., 1 DVD, gebunden, 38 Euro, Park Books, Zürich 2015

~dr

Wer sich schon immer gewünscht hat, jenseits der Kulissen von »Mad Men« mehr über New York zu jener Zeit zu erfahren, wird mit diesem Buch viel Spaß haben. Zwar ist es in nicht alltäglichem Englisch gehalten, doch überzeugt es durch gut lesbar und detailliert erzählte Strecken darüber, mit welchen Mitteln sich die Stadt in der Amtszeit des Bürgermeisters John Lindsay, zwischen 1966 und 1973, neu erfand. Zu dieser Zeit litt New York unter Geldnot und den Folgen davon – verarmende Bevölkerung, verwahrlosende Stadtteile, versagende Infrastruktur. Mutig setzte der Bürgermeister auf die Faszination, die ein solches Setting auszulösen vermag, und schaffte gute Produktionsbedingungen für die Filmindustrie. Gleichzeitig beauftragte er die City Planning Commission, besonders heruntergekommene Stadtteile auf ihre Charakteristika und Potenziale zu untersuchen, um auf dieser Basis Pläne für die Revitalisierung zu entwickeln. Diese erschienen 1969 gebündelt im Handbuch »Plan for New York City«. Um sie den Einwohnern zu vermitteln, nutzte man wiederum das Medium Film: »What Is the City but the People?« liegt dem Buch als DVD bei (leider ohne Untertitel). Über das dort präsentierte Image sollten sich die New Yorker wieder mit ihrer Stadt identifizieren. Teil 2 des Buchs beleuchtet drei einzelne Aspekte in diesem Rahmen, darunter den Einfluss der Denkmalschutzbewegung und wie die Berücksichtigung der Denkweise von Investoren in der Stadtplanung ermöglichte, den Times Square aus seiner Verwahrlosung zurückzuholen. Wie perfekt all diese Strategien – die seitdem als Vorlage für das (Re-)Branding vieler Städte weltweit dienten – zum damaligen Zeitgeist passten und wie effektiv der Bürgermeister sein Netzwerk dafür nutzte, macht den titelgebenden »Apparatus« aus, den der Autor als mehr als eine Zusammenstellung verschiedener Herangehensweisen und Akteure verstanden wissen will: nämlich als komplexes Beziehungsgeflecht. Diese Analyse unterfüttert er mit zahlreichen Theorien aus Architektur und Städtebau, Soziologie, Kunst und Film, sodass das Buch selbst zum vielschichtigen »Apparatus« geworden ist. Leider wurde dabei auf leichte Zugänglichkeit verzichtet: Abgesehen vom bleiwüstigen, kaum strukturierten Text fehlen erläuternde Unterschriften für die Bilder.