Holzkultur Japan

Bauten, Gegenstände, Techniken. Von Christoph Henrichsen. 247 Seiten, 24 x 29,7 cm.72 Farb-, 245 schwarzweiße Abbildungen und 64 Strichzeichnungen, gebunden, 65 Euro. Birkhäuser Verlag, Basel, 2004

Dieses einzigartige Buch ist das Ergebnis persönlicher Neugier und jahrelanger Recherchen: Mit dem Fahrrad besuchte der Autor, gelernter Schreiner, Jahrgang 1962, vierzig traditionell arbeitende Holzwerkstätten Japans, befragte die Meister und dokumentierte ihre Techniken und Erzeugnisse. Er ging auf die Baustellen einer Holzbrücke, eines Wohn- und eines Teehauses und arbeitete selbst an der Restaurierung eines mittelalterlichen Tempels mit.
Aus diesen Einblicken – und der Einsicht, dass viele Zweige dieser hoch spezialisierten Holzkultur durch die Industrialisierung zum Sterben verurteilt sind – entstanden lebendige Porträts voller Detailwissen, geprägt von großem Respekt vor der Geisteshaltung dieser Zunft.
Diese Haltung verbindet die äußerlich sehr verschiedenen Gegenstände des Buches: Trommeln, Holzschuhe, Spanschachteln, Kämme Schränke, Schiebetüren, Schreine, Brücken sind Teile der Holzkultur und stehen hier gleichwertig nebeneinander. Ihre Herstellung hat der Fotograf Roland Bauer anschaulich festgehalten. Die Mischung von reinen Produktfotos, Bildern der Rohstoffe, von der Entstehung und von Porträts der stolzen Hersteller mag grafisch uneinheitlich wirken, doch informiert das Buch auf diese Weise umfassend. Das so trotz aufwändiger Machart angenehm »ungestylt« wirkende Werk bedient denn auch keines der westlichen Klischees vom japanischen Holzbau, es hat auch keine klar umrissene Zielgruppe, doch lehrreich, und im Verhältnis zu manch schnell gemachter Projektsammlung preiswert, ist es dennoch – für Schreiner, Architekten, Instrumentenbauer wie auch für Laien. Der Autor arbeitet inzwischen wieder in Deutschland in der Denkmalpflege. Christoph Gunßer