Holzfachwerk

Untersuchungen zu einer historischen Holzbauweise, zu ihrer Eigenart und Entwicklung und zur Erhaltung noch bestehender Bauten. Von Johannes Wetzel. 461 Seiten, 122 Abbildungen, kartoniert/broschiert, 49 Euro, 84 sFr; Expert Verlag, Renningen, 2003

Eines vorweg: Der Autor ist ein Architekt, der mit 26 Jahren Zimmermannsmeister wurde und erst fünfzig Jahre später mit der vorliegenden Veröffentlichung zum Dr. phil. promovierte. Dem Buch liegt also die reichhaltige Berufserfahrung eines bauenden und denkenden Menschen zu Grunde. Der etwas sperrige Untertitel gibt zwar im Wesentlichen den Inhalt des Buches wieder, verschweigt aber den wahren Wert, der es auch für all jene lesenswert macht, die sich nicht intensiv mit dem Holzbau beschäftigen. Es handelt sich um einen zentralen Baustein der bis heute ungeschriebenen Kulturgeschichte des Holzbaus, also einer Betrachtung im Kontext der Sozialgeschichte des Menschen. Der Autor verknüpft damit aber auch die aktuelle Bau-praxis, gültige Normenwerke, Erkenntnisse der Bauphysik und anderer Forschungszweige. Immer mit der Überzeugung, dass es eine Frage der inneren Kultur ist, die Zeitzeugen mit Sachverstand zu erhalten (»Verlängerung der Restlebensdauer«). Er analysiert auch die oft kontroverse Einstellung von Wissenschaft und Öffentlichkeit gegenüber dem Holzfachwerkbau und seiner kunstgeschichtlich-historischen Bewertung, womit er den Bereich der staatlichen Denkmalpflege berührt. Nebenbei wird der Architekt daran erinnert, dass die gestalterische Kraft der Fachwerkbauten nicht auf seine Berufsvorgänger zurückzuführen ist, sondern auf das handwerklich-baumeisterliche Können der Zimmerleute. Und er wird bedauern, dass die für ihn so wichtigen Abbildungen nicht im Text, sondern viel zu klein erst am Ende des Buches erscheinen. Ein profundes Standardwerk wie dieses verdient wahrlich eine grafisch angemessenere Aufarbeitung. Arnim Seidel