Hermann & valentiny: Codes

Von Liesbeth Waechter-Böhm (Hrsg.). 479 Seiten mit 457 Abbildungen, davon 334 in Farbe. Deutsch/Englisch. Gebunden, 59,90 Euro, 99 sFr. Birkhäuser Verlag, Basel, 2008

~Annette Menting

Unter dem Titel »Codes« wird die beeindruckende Architektur des luxemburgisch-wienerischen Doppelbüros Hermann & Valentiny präsentiert. Dabei ist das Coverbild programmatisch, denn viele Projekte in diesem Werkkatalog haben etwas Zeichenhaft-Skulpturales wie der »Turm der Träume und Sehnsüchte«, den François Valentiny als Cortenstahl- Objekt in Trier realisierte.
Ausdrucksstarke Materialität und Farbigkeit prägen die Projekte, die in Kapiteln wie Wohnen, Lernen, Arbeiten, Freizeit bis zur Hochkultur vorgestellt werden, so auch der Beitrag zum viel diskutierten Mozart-Haus in Salzburg. Obgleich der jeweilige Entwurfsverfasser nicht explizit genannt wird, erscheinen die Konzepte in Wien von Hubert Hermann eher rationaler, während François Valentiny aus Luxemburg poetisch-figürliche Projekte entwickelt, die im vorliegenden Band dominieren. Die Herausgeberin Liesbeth Waechter-Böhm erläutert die rund fünfzig Projekte in knapper sachlicher Form, quasi im Kontrast zum expressiven Gestus der Architektur. Ingeborg Flagge schreibt im Vorwort, dass eine Einordnung in Architekturströmungen den beiden individuellen Architekten nicht wichtig sei, daher nähert sie sich dem Werk über Gesprächsnotizen zur Entwurfshaltung. Es tauchen die Begriffe Harmonie und Schönheit auf, um in einem heute ungewöhnlichen Jargon die sinnlich erfahrbaren Werte von Architektur zu beschreiben. Während auf dem Buchdeckel eine Referenz an den kulturtheoretischen Beitrag »S/Z« von Roland Barthes erfolgt, bleibt jedoch eine weitere Reflexion zum Titel »Codes« im Buch aus. Alles in allem ist im Birkhäuser Verlag ein imponierender Bildband erschienen, der mit einem Umfang von rund 500 Seiten etwas Skulpturales hat – wie der Turm auf dem Cover.