Future Living

Gemeinschaftliches Wohnen in Japan. Von Claudia Hildner, 160 S., 210 Abb., Softcover, deut./engl., 39,95 Euro, Birkhäuser Verlag, Basel 2013

~Michaela Busenkell

»Muko sangen ryodonari« heißt wörtlich übersetzt »die drei Häuser gegenüber und die zwei nebenan« und bezeichnet die Bedeutung nachbarschaftlicher Bindungen in Japan vor der Individualisierung der Moderne. Aktuell werden u. a. in Japan wieder Wohnformen entwickelt, die gemeinschaftsbezogene Lebensmodelle ermöglichen sollen. In »Future Living – Gemeinschaftliches Wohnen in Japan« stellt Claudia Hildner nach ihrer Publikation »Kleine Häuser« neuere Wohnarchitekturen als Alternativen zum Einfamilienhaus vor. Im Projektteil werden 25 Bauten verschiedener Wohnformen mit Texten und ansprechenden Grafiken vorgestellt. Die Japanologin Evelyn Schulz erläutert im einführenden Essay kulturelle Ausprägungen des gemeinschaftlichen Wohnens, wie die traditionellen »Roji« als kleinteilige nachbarschaftliche Einheiten in den Städten, die, zu Beginn der Moderne oftmals abgerissen, heutigen Wohnformen wieder als Modell dienen.
Faszinierend sind v. a. Bauten, die Zwischenräume oder Interpretationen einer »Engawa«, der traditionellen Veranda, als Übergang vom privaten zum öffentlichen Raum ausbilden. Sou Fujimoto etwa stapelt in seinem Projekt »Tokyo Apartment« vier Minihäuser so, dass Resträume entstehen, die Begegnungen, neue Nutzungen und Aneignungen ermöglichen. Die vier Künstlerwohneinheiten von »Yokohama Apartment« bilden ein Dach über einem halböffentlichen Hof zum gemeinsamen Kochen und Essen sowie für Veranstaltungen – ein offener Möglichkeitsraum mit performativen Qualitäten. Ebenso die 11 Wohneinheiten von »Sakura Apartment«, jede aus freistehenden Modulen zusammengesetzt, die über gläserne Korridore oder interne Treppen verbunden sind; die Zwischenräume ergeben private oder gemeinschaftliche Freiflächen. Die Abstufungen von Nähe in den Projekten reichen von individuellen Wohnungen mit einem gemeinsamen Eingangsbereich über strukturelle oder visuelle Verbindungen bis hin zum WG-Haus mit überwiegend kollektiven Flächen. Das Potenzial des Zwischenraums im japanischen Wohnbau wird in diesem Buch mithilfe einer Skala von Nähe, Distanz und Durchlässigkeit belegt und stellt, mit den damit verbundenen Möglichkeiten, einen relevanten Beitrag zum Diskurs über die Zukunft des Wohnens in der Stadt dar.