FRAGMENTS OF METROPOLIS – BERLIN

Berlins expressionistisches Erbe. Niels Lehmann & Christoph Rauhut (Hrsg.). 256 S. mit 140 Farbfotografien, Hardcover, 24,90 Euro. Hirmer Verlag, München 2015

~Hartmut Möller

Seit rund vier Jahren recherchieren die beiden Herausgeber zur Baukunst des Expressionismus in Europa. In der vorliegenden Publikation präsentieren sie nun 135 Gebäude im Großraum Berlin, dem wohl wichtigsten Zentrum der Bewegung. In den Goldenen Zwanzigern konnte hier durch den Austausch zwischen Malerei, Literatur, Musik, Theater, Bildhauerei und Architektur ein utopisches Metropolis entstehen. Nicht ohne Grund erinnert die Collage des Buchcovers an das Filmplakat des gleichnamigen Monumentalwerks von Fritz Lang.
Als Gegenentwurf zur »Neuen Sachlichkeit« interpretiert Hans Kollhoff in seiner einleitenden Abfassung die Entwicklung des handwerklichen Bauens, in dem sich eine gleichberechtigte »andere Moderne« manifestierte. Die Faszination für sie ist zweifellos auch heute noch ungebrochen, auch für die Bauten im Speckgürtel rund um die Hauptstadt. Christoph Rauhut beschreibt deren besondere Ausprägung im Folgenden an konkreten Beispielen. Markante Bauaufgaben und begeisterungsfähige Bauherren beflügelten die Verbreitung der Idee des Expressionismus. In deren Übereinstimmungen mit der Neuen Sachlichkeit spiegelt sich zudem der vorherrschende Geist von Aufbruchstimmung jener Zeit.
Der Hauptteil beinhaltet eine Zusammenstellung des noch existierenden Bestands, bei dem auf textliche Erläuterungen der Objekte verzichtet wird. Stattdessen wird jedes Bauwerk durch ein zeitgenössisches Foto von Niels Lehmann dokumentiert, teilweise ergänzt durch neugezeichnete Grundrisse, Schnitte und Ansichten. Die jeweils maßstabsgleichen Pläne, der verschiedenen Projekte – manche davon auch mit konstruktivem Gehalt –, ermöglichen eine Größeneinordnung. Dadurch jedoch ist bei den kleineren Bauten eine griffbereite Lupe durchaus hilfreich. Benannt werden zudem die genaue Adresse, der Planer und der Entstehungszeitraum. Dank des Kartenmaterials mit markierten Standpunkten und aufgrund des handlichen Formats empfiehlt sich die Publikation auch als praktischer Reiseführer; Gebäude- und Namensregister der Architekten erlauben eine gute Übersicht.