Faszination Brücken
Faszination Brücken

Faszination Brücken

Baukunst. Technik. Geschichte. Von Richard J. Dietrich. 328 S.,419 Abb., Hardcover, 59 Euro,Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 2017

~Simone Hübener

Wenn ein Autor über sich selbst und sein eigenes architektonisches Werk ein dickes Buch veröffentlicht, sollte man das beim Lesen kritisch im Hinterkopf behalten. So auch bei »Faszination Brücken«. Dass es auf seinen mehr als 400 Seiten jede Menge nützliche Informationen und gebündeltes Wissen enthält, dafür spricht schon die nunmehr dritte Auflage. Überzeugen kann man sich davon bereits bei der Einleitung, die sich thematisch von der Trennung zwischen Architekt und Bauingenieur über die Verwendung der verschiedenen Baustoffe beim Brückenbau bis hin zur Rolle der Bauherren erstreckt. Danach folgt ein umfangreiches Kapitel zu den Grundlagen der Brückenbaukunst, gegliedert in sechs Abschnitte wie z. B. »Stoff« und »Struktur und Form«. Im nächsten Teil beschreibt Dietrich ausführlich »Meister und Meisterwerke der Brückenbaukunst«, wobei der Schwerpunkt auf dem 16. und 19. Jahrhundert liegt. Für das dritte und letzte Kapitel wählte er aus seinen eigenen Arbeiten 16 Brücken aus, viele davon ausschließlich für Fußgänger, und präsentiert diese dem Leser mit fundierten und ins Detail gehenden Texten, Bildern und zahlreichen Plänen. Dem gegenüber fällt unangenehm auf: Richard J. Dietrich lobt sich und seine Herangehensweise zu oft, verteufelt den Stahlbeton beim Brückenbau zu sehr und unterstreicht dies mit einem zu ausgeprägten Schwelgen in den guten alten Zeiten. Auch erwähnt er andere Zeitgenossen wie Jörg Schlaich, die in diesem Bereich Beachtliches geleistet haben, nur selten. Hinzu kommt, dass der Leser bei einer vollständig ergänzten und überarbeiteten Auflage erwarten darf, dass auch wirklich alles aktualisiert ist und Zeitschienen ergänzt wurden. Das ist hier allerdings nur bei den eigenen Werken der Fall. An anderer Stelle liest man: »Soeben, 1998«. Und der »Stammbaum der Brücken« endet mit einem Ausblick, der sich auf die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts beschränkt. Hat sich seitdem nichts weiterentwickelt? So kommt es bei diesem Buch am Ende sehr darauf an, für welchen Zweck man es einsetzen möchte. Als Nachschlagewerk, v. a. zum historischen Brückenbau, eignet es sich bestens. Zur Pflichtlektüre für jeden Brückenplaner, wie Stefan Polónyi in seinem Geleitwort schreibt, muss man es dagegen nicht erheben.