Elements of Venice

Mit einem Vorwort von Rem Koolhaas. Von Giulia Foscari, 696 S., zahlr. Abb., Softcover, 29 Euro, Lars Müller Publishers, Zürich 2014

~Franziska Puhan-Schulz

Parallel zur Fundamentals-Ausstellung von Rem Koolhaas auf der 14. Architektur Biennale in Venedig entstand dieses Buch der international bekannten Architektin Giulia Foscari, die u. a. zwei Jahre bei OMA gearbeitet hat. Mit frischem, analytischem Blick überträgt sie die gleichen zwölf Elemente der Biennale-Ausstellung auf das ihr vertraute Venedig: Fassade, Treppe, Flur, Fußboden, Rampe, Dach, Decke, Türe, Kamin/Schornstein, Fenster, Balkon, Mauer. Das Buch macht mit Geschichten und hochwertigen Abbildungen (Fotos, Zeichnungen, Grundrisse) große Freude. Es ermöglicht, gerade im Bereich der spektakulären Deckengestaltungen und Treppen, viele Entdeckungen und Inneneinsichten, die dem touristischen Blick sonst verschlossen bleiben. Oder, wie die Jury des DAM Architectural Book Award 2015 ihre Auszeichnung begründete: »Ein echter Architektur- und Reiseführer, der nur nicht so genannt wird.« Foscari macht zudem, wie im Kapitel über Fassaden, die fundamentalen Transformationen, die Venedig über Jahrhunderte geprägt haben, sehr gut nachvollziehbar. Dabei ist der Einbau von Mezzaningeschossen als Büroetagen ab dem 16. Jahrhundert nur eines von zahlreichen grafisch, mit farbigen Hervorhebungen aufbereiteten Veränderungen und erklärt die ungewöhnlichen Abstände mancher Fensterreihungen an den Palazzi.
Kirchenfassaden und deren immer wieder modifizierte Ausrichtungen sind in Venedig ein ausnehmend komplexes Phänomen. Bei den Theaterbauten spielte die Fassade demgegenüber eine erstaunlich untergeordnete Rolle. Auch Neuinterpretationen wie die Fassadenüberbauten der Lichtkunstfassade »Welle« von Olafur Eliasson oder haptische Details, wie die zahlreichen Geländer auf den Brücken, sind sehr gut dargestellt. Bodenbeläge, die man sonst möglicherweise unachtsam beschreitet, bekommen bei Foscari eine ganz eigene Wertigkeit.
Lediglich über das Taschenbuchformat der Publikation ließe sich streiten, denn es führt dazu, dass die zahlreichen und zum Teil ausführlichen Anmerkungen und Bildunterschriften in leserunfreundlicher Schriftgröße ausfallen.