Eladio Dieste

Innovation in Structural Art Herausgegeben von Stanford Anderson. 264 Seiten mit zahlreichen Schwarzweiß- und Farbbildern sowie Zeichnungen, Format 24,5 x 30,5 cm. Gebunden, 61 Euro. Princeton Architectural Press, New York, 2004

Die bewehrten Ziegelschalen des uruguayischen Bauingenieurs Eladio Dieste (1917 – 2000), siehe auch db 2/95, werden hier endlich umfassend und gut verständlich vorgestellt. Große aktuelle Farbfotos vermitteln die Eleganz und Ökonomie dieser Bauweise, die Dieste in den Ländern des Cono Sur jahrzehntelang erfolgreich realisierte, ohne große Beachtung zu finden.
Dabei besitzen die atemberaubend weit gespannten Fabrik- und Sporthallen, Silos, Lagerhäuser, Bushaltestellen, Märkte, Kirchen und Wassertürme, von Einheimischen aus traditionellen Ziegeln errichtet, großen sinnlichen Reiz. Die geniale Einfachheit seiner Strukturen – ihr bescheidener, des Staunens fähiger Erfinder sprach von einem »Tanz ohne Anstrengung und Ermüdung« – wird in diesem, aus einem Symposium am MIT hervorgegangenen, aufwändig gestalteten Band von Fachleuten und Dieste nahe stehenden Menschen eingehend analysiert. So erörtert Martin Speth von der Universität Hannover die Übertragbarkeit der arbeitsintensiven und klimasensiblen Technik auf die Industrieländer.
Im Vordergrund steht jedoch die großzügige Dokumentation von rund dreißig Bauwerken aus vierzig Jahren, voran das höhlenartige Haus Diestes in Montevideo. Beim Finden der teils entlegenen Standorte hilft eine Landkarte im Anhang, der auch eine Bibliografie enthält. Christoph Gunßer