eigen+sinnig

Der Werkraum Bregenzerwald als Modell für ein neues Handwerk. Von Florian Aicher, Renate Breuß, 190 Seiten, Format 14 x 23 cm, mit zahlreichen Fotos und Zeichnungen. Gebunden, 24,80 Euro. oekom verlag, München, 2005

Handwerk im Bregenzerwald, ein Thema für Architekten? Durchaus – schließlich sollte jeder Architektur der gefestigte Umgang mit Qualitätsbewusstsein und Gestaltung zugrunde liegen. Gerade dieses Bewusstsein zeichnet das Handwerk im Bregenzerwald aus.
Bedingt durch die geografische Lage und die daraus resultierenden wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Eigenarten der Region hat sich ein sehr idealistisch wirkender Ansatz des handwerklichen Arbeitens entwickelt. So haben technischer Fortschritt und Hightech nicht etwa die Tradition und Sinnigkeit des Handwerks verdrängt. Das Augenmaß steht neben der digitalen Messtechnik, trotz Serienproduktion bleibt in der Endfertigung Spielraum für die individuelle Ausarbeitung.
Diese Einheit von gutem Gebrauch und schöner Gestalt vertretend haben sich Handwerker der unterschiedlichsten Zünfte, ob Tischler, Schlosser, Hafner oder Polsterer, zum werkraum bregenzerwald zusammengeschlossen, um die Notwendigkeit und Leistungsfähigkeit des heimischen Handwerks zu demonstrieren. Dem Initialprojekt – der Sanierung und Modernisierung traditioneller Wohnstuben mit nun gänzlich modernen Räumen neben restaurierten alten – folgten Vorträge und Ausstellungen. Ein alle drei Jahre ausgerufener Wettbewerb handwerk + form fördert die Zusammenarbeit von Handwerksbetrieben und Gestaltern. Das Buch schlägt den Bogen zwischen den Bedingungen des ursprünglichen bäuerlichen Lebens und Wirtschaftens und der jetzigen Handwerkskultur. Fotos dokumentieren Handwerksstätten und Arbeitsvorgänge, erzählen vom Material und seiner Verarbeitung. Britt Lahmann