Egon Eiermann (1904 – 1970)

Die Kontinuität der Moderne. Ausstellungskatalog. Hrsg. von Annemarie Jaeggi. 224 Seiten, 308 Abbildungen, davon 36 farbig. Gebunden, 39,80 Euro, 66 sFr. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 2004

Egon Eiermann ist vor allem bekannt als Schöpfer der »Horten-Fassaden« mit ihren Verkleidungen aus gleichförmigen Ornamentfeldern, die gar nicht von ihm stammen. Der Katalog der Ausstellungen zu seinem 100. Geburtstag in Berlin und Karlsruhe, wo er vornehmlich wirkte, zeigt zwei weniger bekannte Seiten: Den unprätentiösen, aber prägenden Architekten der Nachkriegszeit und den »deutschen Eames«, den Schöpfer von Design-Ikonen wie dem legendären Klappstuhl SE 18. Wie seine Sitzmöbel sind auch die Baukörper von skandinavischer Einfachheit. Die zurückhaltenden, fast unauffälligen Bauten sind ein Muster an Ökonomie, geradezu vorbildlich im Haushalten mit der architektonischen Geste. Solide Konstruktionen und sachliche Funktionalität erlauben eine moderate Moderne, keine revolutionären Lösungen.
Eiermanns unverwechselbare künstlerische Eigenart offenbart sich erst auf den zweiten Blick – sein architektonischer Anspruch steckt im Detail: Eiermanns Beitrag zur Architekturgeschichte, die Innovation seiner Bauten liegt in der Gestaltung der umschließenden Haut, der räumlichen Schichtung der Fassade. Die Ornamenthülle aus filigranen Umgängen nimmt den kubischen Körpern die lastende Schwere und erzeugt eine strukturierte Oberflächentextur, tektonische Gliederung und räumliche Tiefe, einen fließenden Übergang von innen nach außen. Auch sein bekanntester Bau, die Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, lebt von der Zweischaligkeit der Fassade. Die gegenseitige Durchdringung von Kirchenraum und Außenwelt wird hier prägnant vor Augen geführt: Lichtquellen im Raum zwischen den Fassadenschalen beleuchten das Gebäude gleichermaßen nach innen wie nach außen. Peter Struck