Dot.City

Rationaler Urbanismus und neue Medien. Von Torsten Blume und Gregor Langenbrinck (Hg.). 192 Seiten, Format 16,5 x 24 cm, mit zahlreichen Abbildungen, Text auf Deutsch und Englisch, broschiert, 19,80 Euro, 33,90 sFr.

Jovis Verlag, Berlin, 2004
Es ist merkwürdig, dass eine Publikation wie diese noch neues Terrain sondiert; merkwürdiger noch die Ursache hierfür: die Gelassenheit, mit der die meisten Architekten die Veränderungen hinzunehmen scheinen, die auf den Einfluss der nicht mehr so ganz neuen Informations- und Kommunikationstechnologien »LuK« zurückzuführen sind. Sechs Essays gehen in unterschiedlichen Richtungen diesen Veränderungen nach, ihre Autoren fragen nach dem Denken, das diese Veränderungen erst wahrnehmbar machen könnte und spüren die kleinen Details auf, die das Gefüge der Stadt verändern: den Teekessel etwa, der, einmal längere Zeit nicht in Betrieb genommen, das Signal aussendet, dass die alte Frau, die ihn sonst benutzt, möglicherweise krank ist. Dieser Aspekt ist ein Hinweis darauf, dass der Diskurs um die virtuellen Räume viel konkreter auf Planungsprobleme zu beziehen ist als das gemeinhin gedacht wird; hier etwa darauf, dass die Reorganisation der Strukturen das Altwerden in der Stadt mehr erleichterte, als wenn man sich nur barrierfreie Wohnungen zum Ziel setzte.
Interessante Fragen wirft auch der letzte Teil des Buches auf, in dem sich die Herausgeber und gleichzeitig Organisatoren des unter dem gleichen Titel durchgeführten Bauhaus-Kollegs mit dem Kulturwissenschaftler Joachim Krausse unterhalten. Dort wird beispielsweise danach gefragt, ob die Stadt als Bezugsrahmen für die Prozesse im globalen Netz überhaupt geeignet ist.
Ergänzend werden die Projekte vorgestellt, die am Kolleg erarbeitet wurden. Und sie bestätigen, wie weit weg die Alltagsarbeit der Architekten von den Potenzialen und Problemen entfernt ist, die die neuen Medien aufwerfen. Christian Holl