Die Utopische Stadt und andere Projekte

Von Ilya und Emilia Kabakov. Hrsg. Kunsthalle Bielefeld. Deutsch/Englisch. Format 26 x 35 cm. 416 Seiten mit 467 farbigen und 148 S/W- Abbildungen. gebunden, 125 Euro,188 sFr. Kerber Verlag, Bielefeld, 2004

Die Sehnsucht nach der utopischen Stadt ist in Architektur und Kunst seit Anfang des 20. Jahrhunderts ungebrochen. Architektur als Traum, das ist auch das Thema der beiden Künstler Ilya und Emilia Kabakov.
»Seit meiner Kindheit fühle ich mich als normaler sowjetischer Mensch: Ich habe Angst«, sagt der aus der Ukraine stammende, 1933 geborene Kabakov – und so ist seine Beschäftigung als Künstler vor allem durch einen Wunsch geprägt: Ziel allen Schaffens soll Befreiung sein, Flucht aus Enge in Leben und Architektur.
Das opulente Katalogbuch stellt die wichtigsten (zumeist fiktiven, weil nicht realisierten) Architekturprojekte der vergangenen Jahre vor – Arbeiten, die gemeinsam mit Emilia Kabakov, der Ehefrau des in New York lebenden Künstlers, entstanden sind. Kernstück des Buchs bildet die Arbeit »Die Utopische Stadt«, die für die Zeche Zollverein in Essen entworfen wurde.
Allen vorgestellten (und exakt von den Künstlern beschriebenen) Projekten ist eines gemeinsam: Die utopische Stadt der Kabakovs ist kein futuristischer, nachmoderner Städtetraum, kein funkelnder Organismus aus Glas und Stahl, keine inhumane Negativutopie wie Fritz Langs »Metropolis«: Die Kabakovs träumen Architektur für den »kleinen Mann«, für den Alltag. Ihre anfangs surreal anmutenden Entwürfe sind nicht so weltfremd, wie man glauben könnte. Die schönste Utopie freilich scheint in dem Werk der beiden wunderbar erfüllt. Kunst und Leben haben sich gefunden, auch wenn sicher ist: Das meiste aus Kabakovs zauberhaftem Kosmos werden wir nie gebaut erleben dürfen. Marc Peschke
Kunsthaus Zug (CH), 27.2. – 5.6.2005