Die leise Stadt

J. A. Schmidt und Reinhard Jammers (Hrsg.). 104 Seiten mit S/W-Fotos und Grafiken. Gebunden, 19,50 Euro. av edition, Ludwigsburg, 2006

~Dagmar Ruhnau

Das Forum Baukommunikation in Essen hat sich zum Ziel gesetzt, Fragen rund ums Bauen interdisziplinär zu diskutieren. Die aufschlussreiche Dokumentation »Die leise Stadt« ist das Ergebnis der zweiten Tagung des Forums. Als Transskription der Vorträge und Gespräche gibt sie die Argumentationen und Denkprozesse der Teilnehmer aus den verschiedensten Diziplinen – leider teilweise etwas ermüdend – exakt wieder.
Wodurch zeichnet sich eine leise Stadt aus? Welche Maßnahmen zur Lärmreduzierung sind notwendig, in welche Richtung muss die Forschung gehen? Das sind die ersten Fragen, die sich stellen. Doch die Teilnehmenden – Städtebauerin, Straßenbauforscher, Psychologe, Soziologe, Neurologe – kommen ganz rasch darauf, dass damit das Thema zu eng begrenzt ist. Muss nicht eine Stadt eine bestimmte Geräuschkulisse produzieren, um das richtige urbane Gefühl zu vermitteln? Was ist überhaupt Lärm, was ist Stille? Und wie viel tragen Grenzwerte dazu bei, eine lebenswerte, gesunde Umgebung zu schaffen? Sicher ist: Lärm machen nur die anderen. Und wie viel davon man erträgt, ist subjektiv und kulturell bedingt. Auffällig ist auch, dass sich Bewohner von eher »leisen« Stadtteilen häufiger über Lärm beschweren, weil in einer leisen Umgebung jedes Geräusch intensiver wahrgenommen wird. Das sind allerdings Luxusprobleme gegenüber denen, die Bewohner von Häusern in der Nähe von Bahnlinien, Einflugschneisen oder Industriegebieten haben. Hier wird Lärm tatsächlich gefährlich. Schwerhörigkeit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die körperlichen Auswirkungen, Aggressivität, unvollständig ausgebildetes Hörvermögen und Einschränkungen in Kommunikation und Orientierung die sozialen.
Wie nun damit umgehen? Häuser konsequent nach innen orientieren? Geräuschquellen bündeln und somit Einzelgeräusche entschärfen? Oder gar mehr Toleranz gegenüber Lärm einüben? Eins wird durch diese Diskussion jedenfalls klar: Die leise Stadt lässt sich nur durch Zusammenarbeit von verschiedenster Fachleute, Politik und Behörden verwirklichen.