Die Architektur der Moderne – Breslau

Von Konstanze Beelitz und Niclas Förster. 176 Seiten mit Fotos und Plänen. Kartoniert, 12,80 Euro Wasmuth Verlag,Tübingen, 2006

~ Frank Peter Jäger

Aufbruchsgeist bestimmte das Breslau der Zwanziger Jahre: Ein günstiges Klima für den seit 1909 tätigen Stadtbaurat Max Berg, um die schlesische Großstadt zum neben Berlin bedeutendsten Zentrum des Modernen Bauens in Deutschland zu machen.
Er selbst errichtete mit der 1913 fertiggestellten Jahrhunderthalle eines der bekanntesten Gebäude der Stadt und ein frühes Beispiel weitgespannter Stahlbetonkuppeln. Der eindrucksvolle Bau steht im Mittelpunkt eines Ausstellungsgeländes, das Berg gemeinsam mit Hans Poelzig plante. Bevor Poelzig in Berlin mit Großbauten reüssierte, lehrte er fast zwanzig Jahre an der Breslauer Kunstgewerbeschule und konnte eine ganze Reihe von Gebäuden verwirklichen. Außerdem hinterließen überregional tätige Architekten wie Erich Mendelsohn, Adolf Rading, Ernst May und Hans Scharoun ihre Spuren. Scharoun baute im Rahmen der Breslauer Werkbund-Ausstellung ein Ledigenwohnheim, das heute alsHo- tel genutzt wird und wohl als eines der schönsten Beispiele von Scharouns maritimen Stil gelten darf. Neben diesen bekannten Namen gilt es manchen ausschließlich in Schlesien tätigen Architekten wiederzuentdecken.
Die heutige Situation der erhaltenen Bauwerke ist zwiespältig. Einerseits erwiesen sich – wie so oft – fehlende Investitionsmittel als der beste Denkmalschutz. Allerdings stehen nun an vielen Stellen Investitionen dringend an. Eine Aufgabe für die EU? Wo in der Vergangenheit saniert wurde, fiel dem nicht selten bauzeitliche Substanz zum Opfer. Ein erfreulich anderes Beipiel bildet das unmittelbar am Rynek (Ring) gelegene Sparkassenhochhaus von Heinrich Rump, das sorgfältig wiederhergestellt wurde.
Die Autoren haben die Zeugnisse des Neuen Bauens in Breslau in einem handlichen Architekturführer mit präzisen Angaben zum Standort der Gebäude zusammengefasst – ein nützlicher Begleiter für jeden Wroclaw-Aufenthalt.