Der München Atlas

Die Metropole im Spiegel faszinierender Karten. Herausgegeben von Günter Heinritz, Claus-Christian Wiegandt und Dorothea Wiktorin. 240 Seiten, Format 34 x 25 cm, mit zahlreichen, meist farbigen Karten und Fotos, gebunden, im Schuber, 49,80 Euro. Emons Verlag, Köln, 2003

München sei »die einzig ernst zu nehmende Stadt in Deutschland – zumindest was das Stadtbild angeht«. Dem Verdikt des Schweizers Christoph Vitali werden wohl viele Touristen beipflichten. Wohlsituiertes Klientel und liebliche Plätze, hoher Freizeitwert und breite Straßenzüge, vitale City und großzügige Parks, erkennbar gewachsen und doch geprägt von Hightech: So etwa mag das Image lauten. Kritischen Geistern indes wird dies allzu sehr nach interessensgelenkter Meinung klingen. Wie es um die bayrische Hauptstadt tatsächlich bestellt ist, dem möchte nun ein ungewöhnliches Buch nachgehen. Es beinhaltet weit mehr, als der Titel vermuten lässt, unter anderem rund hundert knappe, in der Regel zwei Seiten umfassende Aufsätze. Zahlreiche historische und topografische, vor allem aber aus aktuellen Daten entwickelte Karten sowie Pläne und Fotos bilden das höchst anschauliche Gerüst für ein Panoptikum, das vom Wiederaufbau über die videoüberwachte Innenstadt zu Stadtteilbetrachtungen, das von der katholischen Kirche und der schwul-lesbischen Szene über die Mietenproblematik bis zu den »sounds of Munich« reicht, zudem auch noch wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Die kommunale Planungskultur, vor allem die zunächst belächelte Entscheidung, historische Strukturen weitgehend wiederherzustellen, erweist sich längst als Qualität, die andernorts Neid und Nachahmung auslöst. (Städte)Baulich gesehen bildeten Großmeister wie Klenze, Gärtner oder Fischer das geistige Fundament, auf dem München sukzessive zum Millionendorf wuchs. Wenngleich von Sympathie für die Voralpenstadt geprägt, werfen die Autoren durchaus einen kritischen Blick hinter die Kulissen. Robert Kaltenbrunner