Der Bahnhof Heilbronn

Seine Empfangsgebäude von 1848, 1874 und 1958 Von Roland Feitenhansl (Dissertation), 328 Seiten, mit 200 Abbildungen, Format 16,4 x 23,5 cm. Broschiert, 21,80 Euro. DGEG Medien, Hövelhof, 2003

»Nicht vergessen!«, so könnte man den Aufruf umschreiben, den Roland Feitenhansl mit seiner Arbeit über den Bahnhof Heilbronn formuliert. Anhand von drei Bahnhofsgebäuden sollen die »vermeintlich ›zweitrangigen‹ Bauten einer mittelgroßen Stadt (…) zum ersten Mal eine umfassende kritische Würdigung erfahren.« Dazu verwendet der Autor eine durchgängige Matrix, die er auf alle drei Empfangsgebäude appliziert: Entwurf, Erbauer, Baugeschichte, Beschreibung, Lage und Standort interessieren ihn bei den ausgewählten Heilbronner Bahnhöfen. Roland Feitenhansl verweist auch auf andere – vornehmlich württembergische – Beispiele und stellt damit die Heilbronner Gebäude in einen übergeordneten Zusammenhang. Das macht ohne Frage Sinn und öffnet die Augen des Lesers für bislang kaum beachtete Bahnhofsbauten. Wer jedoch nach vergleichenden Raumanalysen sucht, wird dies vergeblich tun: Architekturhistorische Betrachtungen stehen hier weit mehr im Vordergrund. Schade nur, dass sich selbst die Analysen bisweilen im Deskriptiven erschöpfen, dabei Positionen oder Bewertungen eher selten deutlich werden. Dennoch, Feitenhansl gelingt es, ein überaus facettenreiches und detailliertes Bild historischer Bahnhofsbauten zu vermitteln. Nur zu verständlich scheint dabei, dass der letzte Bahnhof mit Flugdach aus 1958 in seiner demonstrativen »Einfachheit« und modernen Formensprache nach dem opulenten, wilhelminischen Vorgängerbau – einen nachhaltigen Eindruck auf die Heilbronner Bürger hinterlassen hat. Hier wurde man nun betont nüchtern und funktional empfangen – vom Charme des Altbaus, der schlossartigen Anlage und ihren imposanten Arkadengängen war nichts mehr geblieben. Hans Jürgen Breuning