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Der Architekt und Stadtplaner Rudolf Hillebrecht

Kontinuitäten und Brüche in der deutschen Planungsgeschichte im 20. Jahrhundert. Von Ralf Dorn. 496 S., 30 farb. und 230 S/W-Abb., Hardcover, 89 Euro, Hardcover, Mann Verlag, Berlin 2017

~Hartmut Möller

Wie schön, dass es endlich eine umfassende Monografie zu Rudolf Hillebrecht gibt! Immerhin gilt er als einer der wenigen seiner Zunft, der es auf die Titelseite des Nachrichtenmagazins »Der Spiegel« mit dem oft zitierten Artikel »Das Wunder von Hannover« geschafft hat. Ungeachtet dessen ist er – insbesondere wegen seiner Rigorosität als Hannovers Stadtbaurat (1948-1975) nicht unumstritten. Aus heutiger Sicht ließ Hillebrecht unnötigerweise historisch bedeutsame Bauwerke (z. B. die Wasserkunst) aus dem Stadtbild entfernen, andere (wie das Leineschloss) erhielt er dafür oder ließ sie an anderer Stelle rekonstruieren (u. a. diverse Fachwerkhäuser der Altstadt). Als Visionär, geprägt vom internationalen Zeitgeist, ersehnte er eine verkehrsgerechte Stadt und musste folglich großmaßstäblich denken. So hatte er bereits 1948 Flächen für Rampen und Trassen eines U-Bahnnetzes freigehalten, das erst nach 1965 realisiert wurde. Laut einer aktuellen ADAC-Studie zum Thema Mobilität jedenfalls sind die Bewohner der niedersächsischen Landeshauptstadt mit ihrer Situation sehr zufrieden.

Knapp zwei Drittel des Buchs schildern ausgiebig die Biografie dieser interessanten Persönlichkeit; angefangen bei seiner Kindheit, über die Studienzeit und den beruflichen Anfängen bis hin zur städtebaulichen Gestaltung Hannovers. Weitere Kapitel beschäftigen sich mit Hillebrechts Reisetätigkeit, seinen internationalen Kontakten sowie seiner Politik- und Gremienarbeit samt staatsübergreifender Vernetzung. Man möchte wirklich meinen, dieser Mann hätte Energie für mehrere Leben gehabt.

Acht Jahre hat Ralf Dorn für seine vom Stadtarchiv Hannover herausgegebene Habilitationsschrift geforscht und dabei 21 Regalmeter des sich dort befindlichen Hillebrecht-Nachlasses durchforstet; umfangreiche Fußnoten zeugen davon. Dennoch sollte sich niemand vom Format dieses Wälzers einschüchtern lassen, der Text liest sich überaus angenehm und spannend zugleich. Nach eigenen Angaben würde der Autor gern noch das Verhältnis zwischen dem Mentor Walter Gropius und Rudolf Hillebrecht als Dialog der Generationen sowie dessen Umsetzung von Kunst im öffentlichen Raum bzw. Freiraumplanung untersuchen – ein unbedingt wünschenswertes Unterfangen zur Komplettierung der vortrefflichen Publikation!