Der Architekt Gustav Oelsner

Licht, Luft und Farbe für Altona an der Elbe. Hrsg. von Peter Michelis. 264 Seiten mit 120 Farbabbildungen. Gebunden, 39,80 Euro. Dölling und Gallitz Verlag, Hamburg, 2008

~Lars Quadejacob

In den neunziger Jahren rückte auch die zweite Liga der Architekten des Neuen Bauens ins Licht der historischen Forschung. In Hamburg war es beispielsweise Gustav Oelsner (1879–1956), der 1984 mit einer Monografie Christoph Timms wiederentdeckt wurde. Oelsner war in der seinerzeit eigenständigen preußischen Großstadt Altona zwischen 1924 und 1933 zugleich Bausenator und Architekt der stadteigenen Wohnungsbaugesellschaft SAGA, die ungefähr die Hälfte aller damals neu geschaffenen Massenwohnungen baute. Darüber hinaus entwarf er städtische Infrastrukturbauten wie Schulen, Sportstätten und ein Arbeitsamt – überwiegend mit sehr charakteristischem buntscheckigen Klinker verkleidet, zum Teil aber auch mit sichtbaren Betonskeletten. Nun liegt ein weiteres umfangreiches Werk über den Architekten vor, verfasst vom Vorsitzenden der inzwischen gegründeten Oelsner-Gesellschaft, Peter Michelis. Kann es Neues bieten?
Durchaus. Zum einen wurden bekannte Quellen nochmals untersucht, zum anderen neue erschlossen. Deshalb können im umfangreichen Werkverzeichnis die einzelnen Bauten deutlich tiefer gehend dargestellt und zum Teil auch mit bisher unveröffentlichtem Bildmaterial illustriert werden. Zudem wurde im Aufsatzteil des Buches mancher Aspekt ausführlicher gewürdigt, so etwa Oelsners Schaffensperiode in Breslau oder Einzelheiten seiner Regionalplanungen für den Großraum Hamburg. Hier wird ein herausragendes architektonisches Œeuvre präsentiert. Umso unverständlicher erscheint deshalb, dass dieses Werk derzeit massiver Zerstörung ausgesetzt ist: Seit einigen Jahren werden die baukünstlerisch und handwerklich hochwertigen Fassaden mit Thermohaut verkleidet (s. Kommentar, db 10/06 sowie db 9/08 und 10/08 in der Rubrik Energie) und die Gebäude weiterer wichtiger Details beraubt. Die Autoren setzen sich auch hiermit detailliert auseinander. Es ist zu hoffen, dass ihr Buch mit dazu beitragen kann, ein Umdenken einzuleiten – ein wichtiges Werk zur richtigen Zeit.