Der Architekt als Bauherr

Hamburger Baumeister und ihr Wohnhaus. Von Gerd Kähler, Hans Bunge (Hrsg.). 408 S. mit zahlr. Abb., Hardcover, 49,90 Euro, Dölling und Galitz, Hamburg 2016

~Lars Quadejacob

Im eigenen Haus des Architekten verdichten sich in besonderer Weise dessen baukünstlerische Auffassungen, vielleicht sogar seine weiteren Anschauungen, Vorlieben und Interessen – so könnte man vermuten. Dennoch gibt es kaum Publikationen darüber wie »Architekten wohnen« – so der Titel der bekanntesten Abhandlung zum Thema aus dem Jahr 2000 (Autor: Jörg Stabenow). In der Schriftenreihe des Hamburgischen Architekturarchivs ist nun eine umfangreiche historische Untersuchung des Themas, begrenzt auf die Architekten der Hansestadt, erschienen.
Sieht man einmal von dem eigenen Wohnhaus des bedeutenden klassizistischen Architekten Christian Frederik Hansen an der Altonaer Palmaille (1803/04) ab, dann lässt sich das Thema, der Architekt als Bauherr, eigentlich erst mit dem Historismus richtig fassen, besonders am Beispiel des führenden Vertreters Martin Haller. Seine Rolle als eigener Bauherr wird durch den Haller-Biograf David Klemm dargestellt, wie sich überhaupt verdiente Hamburger Architekturhistoriker ihrem Protagonisten jeweils im Sinne der Fragestellung nähern.
Angesichts der Quellenlage gibt es vertiefende Darstellungen nur zu den bedeutenderen Architekten, eingebettet in eine chronologische Abfolge unbekannterer Kollegen, deren Domizile in wenigen Außen- und Innenaufnahmen dargestellt und mit unterhaltsamen, manchmal auch etwas flapsigen Bildunterschriften erläutert werden.
Darüber hinaus finden sich Aufsätze mit Überblickscharakter wie jener von Rüdiger Joppien, Oberkustos a. D. am Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe. Sein Thema ist der Wohngeschmack des Hamburger Architekten von Haller bis zu Meinhard von Gerkan. Besonders hervorzuheben ist darin Joppiens Rekonstruktion wie Einrichtungshändler in den 50er Jahren in die Architektenzunft hineinwirkten und mithalfen, moderne Möbel, in Hamburg besonders mit starkem Skandinavien-Einfluss, zu popularisieren.
Und sagt das eigene Haus nun besonders viel über den Architekten selbst aus? Manchmal schon. Die Einblicke in die privaten Wohnverhältnisse des erst kürzlich (2015 bzw. April 2016) verstorbenen Architektenpaars Ingeborg und Friedrich Spengelin, ergänzt um deren Erinnerungen, dokumentieren z. B. jene bescheidene Haltung, aus der heraus sich ihr dem Sozialen verpflichtetes Werk lesen lässt. Einblicke wie diese festzuhalten, zählt zu den Verdiensten dieser inhaltlich und auch grafisch sehr ansprechenden Publikation.