denkmal!moderne

Architektur der 60er Jahre. Wiederentdeckung einer Epoche. Hrsg. von Adrian von Buttlar und Christoph Heuter. 144 Seiten mit 20 Farb- und 60 SW-Abbildungen. Kartoniert, 25 Euro, 45 sFr. Jovis Verlag, Berlin, 2007

~Peter Struck

Die Architektur der sechzigerJahre hat ein Problem: sie ist noch »zu nah dran«, noch nicht alt genug, um als »historisch« durchzugehen und als schützenswert zu gelten. Gerade erst ins Blickfeld des Denkmalschutzes gelangt, ist sie bereits vom Abriss bedroht: Man nimmt heute keine Rücksicht auf Bauten, die ihrerseits rücksichtslos mit ihrem Umfeld umgingen, auf eine Epoche, die für die so genannte »zweite Zerstörung« der Städte verantwortlich ist. Genießen die schwingend leichten Bauten der fünfziger Jahre ganz selbstverständlich Denkmalstatus, so fehlt weitgehend das Bewusstsein für den Wert der Sechziger-Jahre-Bauten, mit denen man in erster Line Großkomplexe mit ebenso großen sozialen wie städtebaulichen Mängeln verbindet, brutale Gebilde, die zumeist durch notwendige »Sanierungen« zusätzlich entstellt wurden.
Neben dieser »ehrlichen« Architektur, die ihre Materialien und Funktionen demonstrativ nach außen kehrte, existierte aber immer auch eine einfühlsame Spielart. Es ist zugleich die Zeit der schwerelosen Zeltbauten von Frei Otto und die Dekade von Hans Scharoun, dessen individuelle Kulturbauten laut Wolfgang Pehnt wie »exotische, aber Vertrauen erweckende Kreaturen« in der Stadtlandschaft lagern. Das Buch versammelt Texte von Denkmalpflegern, Kunst- und Architekturhistorikern zu den wertvollen Bauzeugnissen dieser Jahre. Einzelne Kapitel widmen sich beispielsweise der Fertigteilästhetik, Einfamilienhäusern der Berliner Nachkriegsmoderne oder den deutschen Bauten von Arne Jacobsen. Zusammen sind sie ein eindringliches Plädoyer für eine gerechtere Beurteilung der sechziger Jahre, für die Wiederentdeckung, Wertschätzung und Bewahrung einer eher ungeliebten Epoche.