David Chipperfield

Architectural Works 1990–2002. Mit einem Essay

von Kenneth Frampton. 343 Seiten, 284 Farb- und
48 Schwarzweißabbildungen, Format 23 x 28,5 cm, gebunden, 75 Euro Birkhäuser Verlag, Basel, 2003
Monografien über Architekten sind opulente Bilderbücher geworden – appetitlich, manchmal schön, selten lesenswert; man freut sich an ihnen, wenn das Herz für die gezeigte Architektur schlägt. Rabenschwarz mit zartem Relief kommt nun die Monografie David Chipperfields daher. Der europäische Architekt britischer Herkunft und mit japanischen Erfahrungen sucht für jeden Ort, an dem er baut, das Besondere, nicht das Spektakuläre. Komplexität zu vereinfachen, aber nicht zu banalisieren, Form, Material und Konstruktion mit Ideen und Erfahrungen zu einer überzeugenden Einheit, aber nicht zu krampfhaft expressiver Kraft zu verhelfen – das sieht bei Chipperfield sehr leicht aus; ist es aber natürlich nicht. Und mit dem, was als »neue Einfachheit« oder »Minimalismus« durch die Diskurs-Kreise geisterte, hat es gleich gar nichts zu tun. Kenneth Frampton versucht eine vorsichtige Annäherung an das Phänomen Chipperfield, das in keine gängige Schublade passt. Chipperfield gelingt es in einer traumwandlerischen Sicherheit, für einen Ort den geeigneten Baustoff zu finden, Innen und Außen in den richtigen Bezug zueinander zu setzen, im kleinen wie im großen Maßstab bewundernswerte Proportionen in Baukörper und Fassaden zu setzen und, nebenbei beinahe, auf dem Grat zwischen Tradition und Erneuerung nicht abzustürzen. Das wird in diesem außerordentlich schönen Buch alles bestens nachvollziehbar. Es ist die Monografie wert, obwohl Chipperfield noch gar nicht so viel gebaut hat: Wohnhäuser, Bank, Bürohaus, Läden, kleinere Museen – es läppert sich, aber Riesenprojekte wie die Museumsinsel in Berlin harren noch ihrer Vollendung. ub