Das Verschwinden der Bauten des Industriezeitalters

Lebenszyklen industrieller Baubestände und Methoden transdisziplinärer Forschung. Von Uta Hassler und Niklaus Kohler. 287 Seiten, Format 24 x 30 cm, 500 S/W-Abbildungen. Kartoniert, 39,80 Euro, 69,20 sFr.

Wasmuth Verlag, Tübingen, 2004
Das Buch wendet sich einem bislang sträflich vernachlässigtem Thema zu: dem Bestand von Industriebauten, vor allem solcher Gebäude, die nicht als Baudenkmal wenigsten einigermaßen geschützt sind. Es geht also nicht um bauhistorische Dokumente, sondern um die große Masse der Gebäude, die keiner Beachtung wert scheinen. Ein Trugschluss, wie Berechnungen der Energieflüsse zeigen. Soll der Anspruch der Nachhaltigkeit im Bauen tatsächlich eingelöst werden, muss man sich auch dieser Sparte widmen und Alternativen zu Abriss und Neubau entwickeln. Mit detaillierten Analysen versuchen die Autoren, dem Bestand an Industriebauten der Vergangenheit auf die Spur zu kommen und vergleichen ihn mit den aktuellen Zahlen. Hierbei leisten sie Pionierarbeit, denn es gilt, Bestände zu schätzen, für die wenig Datenmaterial zur Verfügung steht. Dabei fördern sie erstaunliche Erkenntnisse zu Tage, so etwa die, dass ein Gebäude umso wahrscheinlicher zerstört wird, je jünger es ist. Detaillierten Analysen und sorgfältig ausgewählten Fallstudien veranschaulichen die Bedingungen, unter denen die Entscheidungen zum Umbau, Abriss oder Erhalt von Gebäuden getroffen werden; historische und bautechnische Kapitel vermitteln das für das Thema wichtige Wissen. Die hochwertige Bebilderung hilft über die ein oder andere trockene Materie hinweg. Und damit es nicht nur bei den Klagen um die Abrisszahlen gerade neuer Bauten bleibt, haben die Autoren auch Empfehlungen bereit, wie an der Abrisswut etwas zu ändern ist. Dass diese Empfehlungen berücksichtigt werden sollten, dafür liefert das Buch den eindrucks- vollen Nachweis. Christian Holl