Brückenbau im 20. Jahrhundert

Gestaltung und Konstruktion. Von Dirk Bühler.

160 Seiten, zahlreiche Schwarzweiß- und Farbbilder. Gebunden, 79,90 Euro, 138 sFr Deutsche Verlags-Anstalt, München, 2004
Der Buchmarkt wird seit einigen Jahren überschwemmt mit Büchern über Brücken. Viele der Autoren begnügen sich mit dem Wiederholen der immer gleichen Hochglanzfotos und dem feuilletonistisch angelegten Versuch, in allgemeinsten Formulierungen ästhetischer Deutungen zu schwelgen. Dieses in den Vordergrund Schieben einer Deutungshohheit und Deutungskompetenz verzerrt – gewollt oder aus Unverständnis für die Gesamtaufgabe – das tatsächlich wesentlich kompliziertere und komplexe Gesamtbild Brücken.
Von dieser Art Publikation – das sei ausdrücklich angemerkt – heben sich die Ausführungen zu Gestaltung und Konstruktion der Brücken im 20. Jahrhundert wohltuend ab. Aus zwei Gründen: Ob es sich um frühe oder neuere Brücken des letzten Jahrhunderts handelt, die hauptsächlich aus dem großen Fundus des Deutschen Museums in München stammenden Fotografien sind nicht »abgegriffen«. Sie zeigen die Bauwerke aus weniger bekannten, doch immer eindrucksvollen Blickwinkeln und sie halten Momente aus dem Zustand ihres Entstehens fest. Diese »Montageaufnahmen« erst lassen erahnen, und belegen in vielen Fällen, welcher Erfindergeist, welches Risiko und welche Kühnheit der Ingenieure sowohl in konstruktiver wie auch gestalterischer Hinsicht in diesen Konstruktionen enthalten sind. Die Ingenieure sind wahrlich nicht die Dienstleister für vereinnahmende Designer, auch wenn solche unzutreffende Zuordnung letzthin nach der Fertigstellung der großen Schrägseilbrücke bei Millau in Frankreich von Unbelehrbaren in ihrer geisteswissenschaftlichen Begrenzung wieder geäußert worden ist. Allerdings ist eine völlige Umkehrung, das heißt nur die Sicht auf das Technische und das Funktionieren allein, ebenso falsch. Der die Bilder begleitende, gut zu lesende Textteil enthält zu jedem Bauwerk die wichtigsten technischen Daten, Hinweise auf beeinflussende Randbedingungen und – wenn auch nicht in jedem Fall – auf die Beteiligten; wobei letzteren hier und da eine verstärkte Fokussierung zuteil wird.
Für die Werkstoffe Beton, Stahl und Holz sind markante Bogen-, Fachwerk-, Balken- und seilverspannte Typen ausgewählt. Das Literaturverzeichnis wird sich mancher Leser etwas vollständiger wünschen.
Insgesamt gibt das Buch einen sehr guten Überblick über die Brückenbaukunst vor allem des vergangenen Jahrhunderts. Es ist sicher nicht nur für Bauingenieure sondern auch für aufgeschlossene Laien als eine interessante Lektüre zu empfehlen. Und es ist – im besten Sinne des Wortes – ein sehr gut illustriertes Buch, wie es die »Brücken« von Fritz Leonhardt sind, doch ist es angereichert mit jenem notwendigen Text, der zum besseren Verständnis eines Werkes, in diesem Fall der Brücken, beiträgt. Klaus Stiglat
Dream Bridges. Traumbrücken
Von Wolfdietrich Ziesel. 247 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen. Gebunden, 39 Euro, 66,50 sFr.
Springer Verlag, Wien, 2004
Handbuch Brückenbau
Entwerfen, Konstruieren, Berechnen, Bauen, Erhalten. Hrsg. von Gerhard Mehlhorn. 900 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen. Gebunden, 124 Euro, 188 sFr.
Birkhäuser Verlag, Zürich, 2005
Bauingenieure und ihr Werk
Von Klaus Stiglat. 501 Seiten, mit 720 Abbildungen. Gebunden, 79 Euro, 116 sFr.
Ernst & Sohn, Berlin, 2004
Brücken aus Stahlbeton und Spannbeton
Entwurf, Konstruktion und Berechnung. Von Karl H. Holst. 788 Seiten. Gebunden, 169 Euro
Ernst & Sohn, Berlin, 2004