Begehbare Skulpturen

Die begehbaren Skulpturen Erwin Hee- richs. Hrsg. von Christel Blömeke. 304 Seiten mit 220 Abbildungen, davon 87 farbig. Gebunden, 35 Euro. Hatje Cantz Verlag, Ostfildern, 2009

~Jürgen Braun

Die Aufgabe, einen größeren Landschaftspark wie Hombroich und die vielen darin stehenden Pavillons zwischen zwei Buchdeckeln erlebbar zu machen, ist schwierig. Schon deshalb ist zu loben, was dem neuen, von Christel Blömeke herausgegebenen Buch gelungen ist.
Das große Gelände in der Auenlandschaft der Erft in der Nähe von Neuss beherbergt über ein Dutzend begehbare Architekturskulpturen des Bildhauers Erwin Heerich (1922–2004). Eine geglückte Symbiose aus Landschaftspark, Skulpturengarten und Museum. Das Buch dokumentiert erstmals die Bauten, die nach seinen künstlerischen Vorgaben seit den achtziger Jahren entstanden sind. Die meisten von ihnen sind Häuser für die große Kunstsammlung des Stifters und Anstifters Karl-Heinrich Müller, nur wenige sind reine Skulpturen. Sie ermöglichen dem Betrachter, ganz auf sich gestellt, grundlegende Studien über Innen und Außen, Licht und Raum, durchlässig und geschlossen.
So gleicht schon der erste Bau, die Orangerie von 1984, ziemlich genau einer Holzskulptur Heerichs aus der gleichen Zeit. Der Bau jedoch lebt von mehr – an seinem Standort nah am Wasser unter Bäumen: Durch das nach innen gefaltete Pultdach entstehen zwei spitze Giebelfirste, die »wie Ohren wachsam im Licht stehen«, weil die Glasfläche den Bau zur Wasserseite öffnet, während er nach hinten »einen starken Rücken« behält.
Hier hat, wie auch bei den anderen Bauten, statt einer bloßen Umsetzung und Vergrößerung eine künstlerische Idee eine architektonische Transformation erfahren. Aus den Kunstwerken Heerichs sind nun begehbare Architekturskulpturen geworden.
Stimmungsvolle und präzise Fotos – vor allem von Manos Meisen und Tomas Riehle – neben den Beiträgen von Autoren mit engen subjektiven Bezügen entfalten eine eigenständige dokumentarische Wirkung. Zudem enthält das Buch eine DVD mit filmischen Impressionen und eine CD mit »Kompositionen nach Raummaßen und Grundrissstrukturen von Heerich-Bauten«.
Hombroich macht Freude und braucht Freunde. Dieses Buch arbeitet daran mit, lockt Besucher und informiert Dortgewesene. So wirkt es über seinen dokumentarischen Auftrag hinaus.