Baumhäuser

Neue Architektur in den Bäumen. Von Andreas Wenning. 288 S., über 200 Abb., Hardcover, 58 Euro, DOM publishers, Berlin 2011

~Christoph Gunßer

Wir kommen alle aus den Bäumen – stammesgeschichtlich betrachtet. Möglicherweise ist das der Grund, warum Baumhäuser so beliebt sind. Nicht nur passionierte Bastler, auch professionelle Anbieter verwirklichen inzwischen immer raffiniertere Formen kleiner Fluchtburgen in oder unter Wipfeln. Dieser großzügige Bildband ragt aus den zahlreichen Büchern über Baumhäuser heraus, weil er, was nicht gleich ersichtlich ist, monografisch die Bauten des Autors vorstellt: Als junger Architekt und gelernter Tischler begann er vor etwa zehn Jahren, ungewöhnliche Strukturen für die Bäume von Bekannten zu entwickeln. Mundpropa- ganda und Veröffentlichungen in verschiedenen Magazinen ließen ihn seither schon über 30 solcher Pavillons oder Plattformen, Kisten und Nester an heimlich-lauschigen Orten in vielen Ländern verwirklichen – die Marktnische wurde zum Beruf (www.baumraum.de). Seine Ästhetik folgt mehr dem Ideal »Kapsel« als »Hütte«, was manche luxuriöse Kreation etwas modisch aussehen lässt. Doch die Konstruktionen wirken durchdacht und solide. Die »Betriebsgeheimnisse« gibt ihr Erfinder indes nicht preis: Fotos, kurze Erläuterungen zur Entstehung und wenige dürre Baudaten gibt es, vorneweg im Buch von einem Experten einige allgemeine Empfehlungen zu Auswahl geeigneter Bäume und Techniken der Verankerung und Lastabtragung – keine Pläne, keine statischen Systeme finden sich zu den Projekten. Baumbegeisterte Baumeister werden wie der Autor selbst experimentieren müssen. In der Einführung lässt sich die Geschichte der luftigen Behausungen in Ausschnitten zurückverfolgen: von den Urwaldstämmen über alternative Zivilisationsflüchtlinge und Protestler bis hin zu den schicken Domizilen von heute.