Backstein

Eine Architekturgeschichte – Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Von James W. P. Campbell und William Pryce. 320 Seiten mit 600 Farbabbildungen. Gebunden. 58 Euro. Knesebeck Verlag, München, 2005

Was verbindet die kühnen Konstruktionen römischer Gewölbe, buddhistischer Tempel, islamischer Moscheen, gotischer Kathedralen und der ersten Wolkenkratzer miteinander: eines der ältesten Baumaterialien der Welt, der Backstein. Der opulente Bildband widmet sich der Kulturgeschichte dieses »natürlichen Kunststeins«. Nach Epochen gegliedert, spannt das Buch einen Bogen über 10 000 Jahre Backsteingeschichte von den frühen Hochkulturen im Zweistromland bis zu Bauwerken von Renzo Piano und Mario Botta. Der historische Rundumschlag vereint bedeutende Monumente aus aller Welt, konzentriert sich ab dem 17. Jahrhundert jedoch hauptsächlich auf Großbritannien und Nordamerika. Die impulsgebende Neogotik eines Conrad Wilhelm Hase fehlt vollständig, der Backsteinexpressionismus wird lediglich angerissen. Insgesamt wird das 20. Jahrhundert allzu hastig abgehakt.
Das Buch versteht sich jedoch nicht als architekturgeschichtliches Werk, sondern als Herstellungs- und Ideengeschichte über
einen einfachen und zugleich vielseitigen Baustoff. Seine historische Entwicklung wird an Beispielen nachgezeichnet, die oft ungewöhnlich sind, zum Teil beliebig wirken. Neben Inkunabeln wie der Hagia Sophia, der Chinesischen Mauer oder der Florentiner Domkuppel sind so auch weniger bekannte Bauten wie die Tempel im Birmasischen Pagan, die gedrechselten Schornsteine von Hampton Court oder das Rathaus in Hilversum zu sehen. Auch ein solchermaßen enzyklopädisches Werk kann die Geschichte des Backsteins nicht erschöpfend behandeln, darf jedoch als konkurrenzloses Standardwerk über ein zu Unrecht vernachlässigtes Baumaterial gelten. Peter Struck